Mittwoch, 28. Februar 2018

Die Kraft des Paradoxen

von Martin Bödicker

Habe gerade über einen Satz von Wu Yinghua nachgedacht:

"Lasse niemals auch nur die kleinste Idee eines Angriffs in deinem Geist entstehen."




Das ist die Fähigkeit des Mitgehens - des Sich-selbst-aufgebens und des Dem-anderen-folgen. Es ist die edle Kunst des Wartens auf den Angriff. Ich arbeite schon Jahrzehnte daran.

Und dann ... trainieren wir yin-jin, die verführende jin-Kraft:

Die verführende jin-Kraft setze ich ein, wenn der andere sich nicht bewegt. So verführe ich ihn, sich zu bewegen. Oder wenn der andere sich schon bewegt, verführe ich ihn, sich auf einer von mir gewünschten Bahn zu bewegen. Ich verführe den anderen also einer eigenen Aktion und wenn der andere reagiert, geht er in die Falle.

Was also nun???

Soll ich inaktiv sein, warten und folgen, oder soll ich aktiv werden und die Kontrolle übernehmen, indem ich den anderen verführe etwas zu tun, was er ürsprünglich gar nicht wollte?

Wie paradox! Wie wunderbar!

Einmal Yin, einmal Yang. Das ist das Dao.

Das ist die Grundlage des Tai Chi Chuan. Der Wechsel zwischen Inaktivität und Aktivität, zwischen Ruhe und Bewegung - eine der großen Fähigkeiten des Tai Chi Chuan. Durch die Anwendung der Kraft des Paradoxen kann man den anderen durch geringere Kraft, aber größerem Können überwinden.

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