Dienstag, 2. Mai 2017

Klassiker: Wichtige Punkte beim Üben der Form und des Pushhands


Li Yiyu

Ein früherer Meister sagte:

Beherrscht man "Führe den anderen in die Leere", so beherrscht man auch "Mit der Wirkung von vier Unzen kann man mühelos tausend Pfund bewegen". Beherrscht man "Führe den anderen in die Leere" aber nicht, so wird man auch "Mit der Wirkung von vier Unzen kann man mühelos tausend Pfund bewegen" nicht beherrschen können.

Diese Worte fassen vieles zusammen, aber ein Anfänger wird sie nur schwer verstehen. Daher möchte ich sie hier so erklären, dass man sie verstehen und nach langem täglichen Training auch verwirklichen kann.




Möchte man "Führe den anderen in die Leere" und "Mit der Wirkung von vier Unzen kann man mühelos tausend Pfund bewegen" beherrschen, so muss man zuerst sich selbst und den anderen kennen.

Möchte man sich selbst und den anderen kennen, so muss man zuerst sein selbst aufgeben und dem anderen folgen.

Möchte man sein selbst aufgeben und dem anderen folgen, so muss man zuerst die günstige Gelegenheit und den strategischen Vorteil erlangen.

Möchte man die günstige Gelegenheit und den strategischen Vorteil erlangen, so muss man zuerst den eigenen Körper zu einer Einheit werden lassen.

Möchte man den eigenen Körper zu einer Einheit werden lassen, so muss man zuerst dafür sorgen, dass der Körper fehlerfrei agiert.

Möchte man dafür sorgen, dass der Körper fehlerfrei agiert, so muss man Geist und Qi aktivieren.

Möchte man Geist und Qi aktivieren, so muss man zuerst die Lebenskraft anheben.

Möchte man die Lebenskraft anheben, so muss man zuerst den Geist davor bewahren, sich außen zu zerstreuen.

Möchte man den Geist davor bewahren, sich außen zu zerstreuen, so muss man zuerst Geist und Qi in den Knochen sammeln.

Möchte man Geist und Qi in den Knochen sammeln, so müssen zuerst die Oberschenkel voller Kraft und die Schultern entspannt sein und das Qi muss nach unten sinken.

Die jin-Kraft entspringt den Fersen, wird in den Beinen umgewandelt, in der Brust gespeichert, durch die Hände ausgedruckt und von der Taille beherrscht. Oben arbeiten die Arme zusammen. Unten folgen die Beine einander. Die jin-Kraft wird innen gewandelt.

Erhalten ist Schließen. Abgeben ist Öffnen. Wenn etwas ruht, ruht alles. Ruhe ist Schließen. In der Mitte des Schließens findet sich Öffnen. Wenn sich etwas bewegt, bewegt sich alles. Bewegung ist Öffnen. In der Mitte des Öffnens findet sich Schließen.

Kommt es zum Kontakt, kann man ganz frei drehen und alles ist voller Kraft. Jetzt kann man "Führe den anderen in die Leere" und "Mit der Wirkung von vier Unzen kann man mühelos tausend Pfund bewegen" beherrschen.

Beim täglichen Üben der Form arbeitet man am Kennen des selbst. Beim Bewegen durch die Stellungen muss der ganze Körper mit den obigen Prinzipien übereinstimmen. Weicht man nur ein wenig ab, muss man es sofort korrigieren. Damit dies möglich ist, sollte man die Form eher langsam, als schnell ausführen.

Beim Pushhands arbeitet man am Kennen des anderen. Seine Ruhe und seine Bewegung müssen genau bestimmt werden. Aber man muss auch sich selbst hinterfragen. Hat man sich selbst gut unter Kontrolle, gilt:

Nähert sich der andere mir, muss ich nicht gegen ihn arbeiten, sondern ich folge seiner Kraft und trete ein. Dann übernehme ich seine Kraft und er wird verlieren. Hat man keine starke Stellung erreicht, liegt das an doppelter Schwere und mangelnden Neutralisieren. Man muss dann nach Yin und Yang, sowie Öffnen und Schließen suchen.

In der Kunst des Krieges heißt es:

Wer sich selbst und den anderen kennt,
wird von einhundert Schlachten einhundert gewinnen.

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