Donnerstag, 13. April 2017

Kleiner Gedanke: Über die Bücher und das Lesen

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist sicherlich schon aufgefallen - ich liebe Bücher und das Lesen - im Falle von China und Tai Chi Chuan auch das Übersetzen und Publizieren.




Bei meinen Reisen durch die chinesische Literatur habe ich dabei folgenden kleinen Text gefunden - er hat mich sehr erfreut und so möchte ich ihn euch heute hier präsentieren.

Viel Freude beim Schmökern

Martin


Über die Bücher und das Lesen (1650)

Zhang Chao

Liest man Bücher in seiner Jugend, ist dies, als ob man den Mond durch einen kleinen Spalt betrachtet. Liest man Bücher in erwachsenem Alter, ist dies, als ob man den Mond von einem Hof aus betrachtet. Liest man Bücher in hohem Alter, ist dies, als ob man sich auf einer offenen Terrasse am Mond erfreut. Dies ist so, weil die Tiefe des Eindringens in einen Text von der Tiefe der im Leben gemachten Erfahrungen abhängt.

Nur wer das Buch ohne Worte - das Buch des Lebens - lesen kann, wird auch wundervolle Sätze schreiben können. Nur wer Schwierigstes durchdringen kann, wird auch tiefe Zen-Weisheiten verstehen können.

Die höchste Literatur, vom Altertum bis heute, wurde mit Blut und Tränen geschrieben.

Literatur ist Landschaft auf dem Schreibtisch. Und Landschaft ist Literatur auf dem Erdboden.

Ein Buch zu lesen ist die höchste Freude, aber ein Geschichtsbuch zu lesen ist wenig vergnüglich und macht sehr wütend. Aber neben der Wut findet sich letztlich doch auch etwas Freude.

Die Klassiker sollte man im Winter lesen, dann ist man konzentriert. Geschichtsbücher sollte man im Sommer lesen, dann hat man viel Zeit. Philosophische Werke sollte man im Herbst lesen, dann ist man bereit, seine Meinung ändern. Gesammelte Werke späterer Autoren sollte man im Frühling lesen, dann erwacht die Natur.

Wenn Schriftgelehrte militärische Angelegenheiten studieren, findet das nur auf dem Papier statt. Wenn Generäle Literatur diskutieren, reden sie über etwas, dass sie nur vom Hörensagen kennen.

Für einen begeisterten Leser gibt es nichts, dass nicht zu einem Buch für ihn wird: die Landschaft, das Go-Spiel, Wein, Blumen und der Mond - alles ist ein Buch für ihn. Für einen begeisterten Wanderer gibt es nichts, dass nicht zu einer Landschaft für ihn wird: Bücher, Geschichte, Gedichte, Wein, Blumen und der Mond - alles ist Landschaft für ihn.


Kommentare:

  1. Well done Martin a whole of work and fun no doubt take good care and thanks for all you do cheers Michael

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  2. Sehr erheiternd! Dass muss ich unbedingt meinen Mann zeigen, der liest nämlich so gerne Geschichtsbücher ;)

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