Samstag, 21. Januar 2017

Text: Traktat zur Regulierung der Atmung


Liebe Leser,

die Regulation der Atmung ist ein wesentlicher Bestandteil der chinesischen Kultur. Meist wird sie im Bereich des Daoismus verortet. Im folgenden findet ihr einen Text von Zhu Xi (1130 - 1200 n. Chr.), dem großen Philosophen des Neokonfuzianismus. Er zeigt, dass auch im Konfuzianismus der Atmung eine große Bedeutung beigemessen wurde.

Viel Freude beim Schmökern

Martin Bödicker



Traktat zur Regulierung der Atmung

Zhu Xi


Das von mir verfasste Traktat zur Regulierung der Atmung zeigt eine Methode, das Herz und den Geist zu nähren. Sind Herz und Geist des Menschen nicht gefestigt, ist sein Ausatmen oft zu lang und sein Einatmen oft zu kurz.

Daher muss man die Atmung harmonisieren. Ist sie dann ruhig und gleichmäßig, werden sich Herz und Geist nach und nach festigen. Menzius bezeichnete dies als: den Willen bewahren und die Atmung nicht entgleiten lassen.




Da ist eine Helligkeit über der Spitze meiner Nase.
Ich konzentriere mich völlig auf sie.
Zu jeder Zeit.
An jedem Ort.
Zu jeder Gelegenheit.
Stille und Gelassenheit.
Erreicht die Ruhe ihren Höhepunkt, atme ich langsam aus,
wie ein Fisch im Frühlingsteich.
Erreicht die Bewegung ihren Höhepunkt, atme ich langsam ein,
wie ein Insekt im Winterschlaf.
Die Schwere der Atmung öffnet sich - wunderbar und endlos.
Wer oder was kontrolliert diesen Vorgang?
Es geschieht ganz ohne äußeres Dazutun.
Wie auf Wolken liegend.
Oder im Himmel wandernd.
Ich wage es kaum, es zu beschreiben.
Bewahre das Eine und verweile in Harmonie.
So kann man ein höchstes Alter erreichen.

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