Mittwoch, 10. August 2016

Kleiner Gedanke: Zur Strategie des Pushhands


von Martin Bödicker

Folgenden Ablauf beim Pushhands mit Ma Jiangbao habe ich immer und immer wieder beobachten können:

Ma Jiangbao gelang es relativ schnell, eine stärkere Position als sein Partner zu erlangen. Durch ein kraftvolles Vordringen mit an oder ji hätte er den Partner nun von den Füßen heben können.

Aber genau das tat er nicht.

Obwohl er im Vorteil war, wich er mit zurück. Der Partner verlor daraufhin seine Struktur und Ma Jiangbao konnte ihn mit geringem Aufwand aus dem Gleichgewicht bringen.



Foto: Manos Meisen


Diese Strategie, auch als Stärkerer nicht sofort zuzuschlagen, ist sicherlich keine Erfindung von Ma Jiangbao. Sie ist vielmehr ein generelles Konzept in der chinesischen Strategemik. Man findet sie z.B. in den Einhundert militärischen Strategien des Liu Bowen sehr schön formuliert - eine Sammlung, die ich gerade für euch übersetzt habe:

Stärke

Ist man beim Kampf mit einen Feind zahlreicher und stärker,
sollte man den Feind zum Angriff verleiten,
indem man sich ängstlich und schwach zeigt.
Rückt der Feind dann leichtsinnig vor,
kann man ihn mit Elitetruppen angreifen und schlagen.
In der Kunst des Krieges heißt es:

Fähig sein, aber unfähig erscheinen.





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Wie oft sieht man auf Youtube-Clip einen Tai Chi'ler einen unterlegenen, aber noch strukturell stabilen Partner mit einem heftigen Fajing durch die Gegend werfen. Sicherlich eine hervorragende Technik, aber mich hat das irgendwie nie ganz überzeugt. Die wahre Faszination des Tai Chi Chuan liegt für mich gerade in der Anwendung der obigen Strategie:

Auch gegen einen unterlegenen Partner nicht sofort aktiv werden,
sondern ihn erst aus der Reserve locken
und ihn zu einer eigenen Aktion verleiten.
Dann ist es umso leichter ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen.


Hier finden sich in besonderen Maße die Ideale der Ruhe und der Leichtigkeit des Tai Chi Chuan und man vermeidet auch jedes Risiko, sich in einer Auseinandersetzung zu früh zu weit vorzuwagen.

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