Dienstag, 24. Mai 2016

Text: Zur Härte des Generals


Aus: Das Dao des Generals




Für den guten General gilt:

Seine Härte darf nicht brechen.
Seine Weichheit darf sich nicht auflösen.

Daher, mit dem Schwachen das Starke kontrollieren.
Mit dem Weichen das Harte kontrollieren.

Nur weich oder nur schwach – diese Kraft muss erlöschen.
Nur hart oder nur stark – diese Kraft muss vergehen.

Nicht nur weich und auch nicht nur hart –
die Vereinigung beider, das ist das ewige Dao.


Dienstag, 10. Mai 2016

Buch: Das Dao des Generals


Liebe Freunde des Tai Chi Chuan,

die alten Meister des Tai Chi Chuan standen schon immer in engem Kontakt zum Militär, wenn sie nicht sogar selber im Militär dienten. So wundert es nicht, dass auch ihre Schriften immer wieder von Fachwörtern und Ideen aus diesem Bereich durchdrungen sind. Ein Satz hat mich immer wieder fasziniert:

In Übereinstimmung mit dem Gegner sein -
die Umwandlung erscheint so unglaublich.


Dies ist eine direkte Entlehnung aus der Kunst des Krieges des Sunzi. Auch an den folgenden Satz bin ich oft hängen geblieben:

Das Herz/Bewusstsein ist der Befehlshaber,
das Qi ist die Flagge und Taille ist das Banner.


Hier wird die Organisation von Körper und Geist mit der Organisation einer Armee verglichen. Die Armee als Makrokosmos ist das Vorbild für den Körper des Kämpfers, welcher der Mikrokosmos ist. Dann bin ich über das Dao des Generals von Zhuge Liang, einen Text zur militärischen Führung und Strategie gestolpert und habe ihn übersetzt.




Bestellen (6,10 Euro inkl. Versand): hier

Im Dao des Generals wird der General als das entscheidende Element der Landesverteidigung vorgestellt. Er ist ein großer Stratege und als Befehlshaber das moralische Vorbild seiner Offiziere und Soldaten. Er ist in der Lage, fähiges Personal auszuwählen und seine Führung bis in die untersten Mannschaftsgrade durchzusetzen. Es kennzeichnen ihn eine große Strenge, Klugheit und Integrität, eine tiefe Einsicht in die Gedanken des Feindes und es ist ihm bewusst, dass auch eine starke Armee durch scheinbar kleine Fehler schnell besiegt werden kann.

Ein Kennzeichen des Dao des Generals ist es, dass hier wesentliche Gedanken der chinesischen Philosophie zu einem neuen Ganzen verschmolzen und auf die militärische Führung und Strategie übertragen werden. So entspricht der General und letztlich seine Armee ganz den Idealen des alten China.

Sowohl inhaltlich, als auch bezüglich der Fachwörter und der Verschmelzung der großen Philosophien finden sich parallelen zur alten Tai Chi-Literatur und lassen diese durch einen größeren Zusammenhang besser verstehen. Wer schon einmal einen Kodex der Tai Chi-Familien studiert hat, wird hier einiges wieder finden können. Sowohl für den General und seine Offiziere und Soldaten, als auch für den Tai Chi-Meister und seine Schüler stellt die moralische Entwicklung die Grundlage des Kampfes dar.

Darüber hinaus offenbaren sich viele neue Einsichten zur militärischen Führung und Strategie im alten China - Einsichten, die vielleicht auch auf andere Bereiche der Menschenführung übertragen werden könnten.

Inhalt:
- Einleitung
- Militärische Autorität
- Missstände vermeiden
- Das Wesen des Menschen erkennen
- Talentierte Generäle
- Einsatzmöglichkeiten von Generälen
- Zu verachtende Generäle
- Die Entschlossenheit des Generals
- Hervorragende Fähigkeiten des Generals
- Zur Härte des Generals
- Arroganz und Geiz beim General
- Zu den Stärken des Generals
- Truppen aussenden
- Talentierte auswählen
- Vom klugen Einsatz der Armee
- Die Truppen nicht ins Feld führen
- Gebote für den General
- Militärische Vorbereitungen
- Ausbildung und Training
- Missstände in de Armee
- Vertraute
- Worauf es zu achten gilt
- Formen von guten Gelegenheiten
- Schwere Strafen
- Der hervorragende General
- Einsichten
- Militärische Einflüsse
- Sieg und Niederlage
- Autorität verleihen
- Die Toten betrauern
- Drei Gäste
- Aktionen
- Möglichkeiten
- Gute Gelegenheiten nutzen
- Stärken abschätzen
- Leichten Herzens in den Kampf ziehen
- Der Einfluss des Terrains
- Emotionale Einflüsse
- Was den Angriff beeinflusst
- Geordnete Truppen
- Offiziere begeistern
- Erstrebenswertes
- Das Dao des Krieges
- Harmonie zwischen den Menschen herstellen
- Das Wesen ergründen
- Das Wesen des Generals
- Große Autorität

Donnerstag, 5. Mai 2016

Kleine Einsicht: Vom Stolpern




Im Dao als Quelle (mehr Info hier) findet sich folgender Absatz:

Ein guter Schwimmer wird letztlich ertrinken.
Ein guter Reiter wird letztlich vom Pferd fallen.

Weil sie ihre Kunst zu sehr lieben,
werden sie Unglück über sich bringen.



Hier findet sich anschaulich die daoistische Warnung vor dem Extrem, das sich ins Gegenteil kehrt, wie Yin immer zu Yang und Yang zu Yin wird.

Jetzt habe ich diese Einsicht einmal anders herum erläutert gefunden - in dem sehr beeindruckenden Buch Der alte König in seinem Exil von Arno Geiger über die Zeit mit seinem an Alzheimer erkranktem Vater. Dieser sagt dort:

Ein guter Stolperer fällt nicht.

Wow, großartig. Wer sich mit seinem Nicht-Können arrangiert und es letztlich akzeptiert, dem wird kein Unglück zustoßen. Und so wird er dann schließlich doch ein Meister.

Diesen Punkt finde ich auch für das Tai Chi Chuan sehr wichtig, wo doch oft das Ideale, das Meisterliche angestrebt wird. Ist Tai Chi Chuan nicht die höchste, beste und tollste aller Kampf- und Heilkünste?

Vielleicht ist es manchmal besser, sich mit seinem Können, aber auch mit seinem Nicht-Können als ein harmonisches Ganzes zu sehen und so zu seiner ganz persönlichen Meisterschaft zu gelangen. Dies soll natürlich ein Streben nach Qualität nicht ausschließen, aber vielleicht schützen einen individuell gesetzte Ziele vor zu hohen Anforderungen von außen, oder auch durch sich selbst gesetzt.

So fragte ich einmal Ma Jiangbao, wann ich die schnelle Form den nun in wirklich guter Weise ausführen könne. Er sagte:

Wenn du mit sechs Jahren angefangen hättest.

Zuerst war ich geschockt, hatte ich doch so intensiv geübt, aber dann war es auch eine Erleichterung. Ich musste keinen äußeren Qualitätsstandard erfüllen. Den würde ich eh nicht erreichen - Ma Jiangbao hat ja recht. Stattdessen konnte ich mich nun ganz auf die Freude am eigenen Training konzentrieren und das eigene Wachsen in aller Ruhe genießen.

Und genau dies wünsche ich euch auch.

Martin Bödicker