Montag, 29. Februar 2016

Kleiner Gedanke: Qualitäten des Tai Chi Chuan


Das Internet bietet ja viel Platz zum Diskutieren und so findet sich hier immer mal wieder ein Anlass über Qualitäten des geübten Tai Chi Chuan auszutauschen. Ein Auslöser für mich mal wieder mitzudiskutieren war dabei, ob es das Hauptqualitätskriterium des Tai Chi Chuan ist, "einen Gegner plattmachen zu können" und wenn ja, wie man diese Fähigkeit denn überprüfen könnte. Im folgenden kleine Gedanken versuche ich diesen Punkt aus meiner Sicht etwas allgemeiner darzustellen:

1. Gibt es wesentliche Qualitäten (Erhalt von Gesundheit, Fähigkeit zum Kampf, Entwicklung der Persönlichkeit hin zu einem bestimmten Ideal, spirituelle Einsicht gewinnen usw.), die es zu erreichen gilt und ist dabei vielleicht eine Qualität wichtiger als die anderen? Gibt es eine Hierarchie bei den Qualitäten? Oder ist gerade das Nicht-Anstreben der Qualitäten ein Ziel des Tai Chi Chuan?

2. Wie soll man diese Qualitäten messen? Gibt es Qualitätskriterien?

Zu Punkt 1 habe ich ja einiges in meinem Buch "Wude - der Kodex des chinesischen Kämpfers" dargestellt:



Mehr Info zum Buch: hier


Schon im frühen China diente Kampfkunst nicht nur als Kampftechnik. Der Anspruch an den Kämpfer ging weit darüber hinaus. Selbstkultivierung, Gesundheit und Spiritualität wurden schon in vorchristlichen Zeiten wichtige Ziele des Übenden und konnten auch wichtiger sein, als die Effektivität im Kampf. Aus dieser uralten Tradition heraus entwickelte sich das heutige Tai Chi Chuan mit seinen Schwerpunkten, die dann individuell recht unterschiedlich gesetzt wurden und werden. Ein jeder Schwerpunkt hat aber, gerade auch traditionell gesehen, seine Berechtigung. Das Setzen eines individuellen Schwerpunktes ist absolut legitim, sollte aber als solcher dargestellt werden und nicht zur Abwertung anders Interessierter führen.

Zu Punkt 2 gibt es ja schon einiges an Bemühungen. In der Medizin werden die gesundheitlichen Wirkungen untersucht und eine breite Diskussion zu Qualitätskriterien für den Gesundheits-Tai Chi-Lehrer ist entstanden. Wettkämpfe können einem die Möglichkeit geben, sich im Sinne des Kampfsportes zu messen. Freies stilübergreifendes Sparring kann einen an das realistische Kämpfen heranführen. Trotz dieser Bemühungen sind die Ergebnisse für viele noch sehr unbefriedigend. Hier ist sicherlich weiterhin viel Diskussion, Arbeit und Kreativität erforderlich.

Mein aktueller Blick auf die Diskussion ist daher folgender:

Die große und schnelle Verbreitung und Anerkennung des Tai Chi Chuan in Deutschland hat vielleicht den einen oder anderen Anspruch an Qualität überrannt. Es gibt wohl manchmal mehr Quantität an Angebot als Qualität. Möchte man sich mit seinem Tai Chi Chuan weiterhin in die Richtung der Mitte der Gesellschaft bewegen, gilt es (am besten aus der Tai Chi-Szene heraus) Qualitätskriterien zu entwickeln und diese darzustellen und zu erfüllen. Ist man eher an der eigenen Entwicklung interessiert, braucht man sich an solchen "Äußerlichkeiten" natürlich nicht zu orientieren, sondern sucht und übt das, was einen am besten entspricht. Für mich ist gerade die Vielfalt des Tai Chi Chuan ein großes Plus gewesen - es verbindet doch Menschen mit ganz unterschiedlichen Interessen. Davon habe ich immer sehr profitiert.

Gruß und weiterhin viel Freude am Training

Martin

Freitag, 19. Februar 2016

Tuishou Treffen Süddeutschland am 13. März 2016





Stil- und traditionsunabhängiges Tuishou Treffen Süddeutschland (zum gemeinsamen freien Pushen, ohne Workshops). Hier geht es ums Vernetzen und Austauschen, ums miteinander und voneinander Lernen und um das Fördern des Taijiquan im Allgemeinen. Andere Kampfkunststile sind ausdrücklich herzlich willkommen.

Mehr Info: hier