Donnerstag, 27. August 2015

Kleiner Gedanke: Tai Chi Chuan und chinesische Philosophie


Es ist wohl kaum zu übersehen, Tai Chi Chuan und chinesische Philosophie ist ein Aspekt des Tai Chi Chuan, der mich wirklich sehr interessiert. Ich stehe auch zu diesem Thema in regem Austausch mit vielen Tai Chi'lern und immer wieder kommt die Frage auf:

Warum soll man sich als Tai Chi'ler überhaupt für Philosophie im allgemeinen und dann auch noch für die oft fremde chinesische Philosophie interessieren?




Da bin ich gerade über einen Satz zur Philosophie von Giorgio Agamben gestolpert:

Die Bedeutung der Philosophie besteht darin, sich mit der Menschwerdung auseinanderzusetzen.

Der ist wirklich treffend, führt er doch direkt zum Tai Chi Chuan: Interessiert mich diese Kunst intensiver, übe ich sie regelmäßig und versuche verschiedene ihrer Aspekte in mein Leben zu integrieren, wird sie Teil meiner Menschwerdung. Mit und durch Tai Chi Chuan verändere und entwickle ich mein Mensch-sein.

Diesen Prozess kann man natürlich einfach geschehen lassen. Einmal am Tag nicht nachdenken. Sich einfach vom Tai Chi Chuan tragen und vom Lehrer führen lassen. Sicherlich eine Seite der Entspannung im Tai Chi Chuan.

Aber man kann natürlich auch gedanklich aktiver daran teilnehmen. Was macht das Tai Chi Chuan mit mir? Wo hin will mich entwickeln? Wie weit will ich mir die chinesischen kulturellen Werte als Hintergrund des Tai Chi Chuan erschließen und aneignen? Welche Ideale (z.B. zur Gesundheit und zum Umgang mit Agression) vermittelt Tai Chi Chuan und das chinesische Denken?

Tai Chi Chuan ist eine Kunst mit großer inhaltlicher Bandbreite: von der Kampfkunst über die Selbstkultivierung hin zur Erhaltung und Wiedergewinnung von Gesundheit. Wie werden diese Prozesse ursprünglich in China verstanden? Wie werden sie im westlichen Unterricht etabliert? Welche Aspekte davon helfen mir beim Mensch-werden und welche eher nicht? Für welche Aspekte opfere ich meine wertvolle Lebenszeit und welche, wenn auch nicht uninteressant, führen zu weit?

Ich habe immer große Freude, über solche Punkte nachzudenken und über sie mit meinem Lehrer und meinen Tai Chi-Freunden zu diskutieren. Es entwickeln sich schnell wirklich interessante und tiefe Diskussionen - nicht nur über das Tai Chi Chuan, sondern über mich selbst und meinen ganz persönlichen Tai Chi-Weg und den Weg meiner Tai Chi-Freunde. Fundiertes Wissen zur chinesischen Philosophie hat dabei immer viele Anregungen gegeben. Das Fremde als Spiegel des eigenen selbst. Wie heißt es doch bei Sun Lutang:

Die Form zu üben ist das gongfu des Wissens von sich selbst.
Das Pushhands ist das
gongfu des Wissens vom anderen.

Dieser Prozess der Reflexion wird für mich wohl niemals enden und ist ein fester Bestandteil meiner Tai Chi-Übung. Und so hoffe ich, dass auch viele andere an diesem Thema genauso viel Freude haben.

Gruß

Martin Bödicker


Montag, 24. August 2015

Artikel: Lehr- und Lernmethoden im Tai Chi Chuan und Qigong

Der Unterricht von Tai Chi Chuan und Qigong ist eine spannende Herausforderung. Viele verschieden Aspekte sind zu berücksichtigen.




Eine erste Frage zum Unterricht von Tai Chi Chuan und Qigong wird in der Regel schon bezüglich der Lehr- und Lernmethode gefällt. Hier bieten sich z.B. zwei Möglichkeiten an:

1. Die analytisch-synthetische Methode
Hier werden einzelne Teile der Gesamtbewegung isoliert geübt. Nach dem Beherrschen der Teilbewegungen werden diese zur Gesamtbewegung zusammengesetzt.

Der Vorteil der analytisch-synthetischen Methode besteht in der Vereinfachung durch Zerlegung. Es besteht aber die Gefahr, dass es zu Schwierigkeiten bei der Synthese der Gesamtbewegung kommt.

2. Die Ganzheitsmethode
Hier wird die Gesamtbewegung von Anfang an ganzheitlich unterrichtet. Dies hat den Vorteil, dass sie schon früh realisiert und im Bewegungsfluss geübt wird.

Bei komplexen Bewegungen kann die Ganzheitsmethode jedoch zu Schwierigkeiten führen, da Schüler oft nicht alle Teilbewegungen gleichzeitig richtig realisieren können. Dies führt schnell zu Überforderung und es besteht die Gefahr, dass sie sie sich Bewegungen falsch einprägen. Daher eignet sich diese Methode eher für einfache Bewegungen.

Mehr dazu in diesem Buch:




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Samstag, 15. August 2015

Poster: Tianyinzi



Zitat aus dem Tianyinzi



Sitz nicht zu lange.
Steh nicht zu lange.
Arbeite nicht zu lange.

Dies sind die drei grundlegenden Enthaltungen.

Mit all diesen Methoden pflegt man seinen Körper.
Ist der Körper stark, dann ist das Qi voll.

Mehr: hier


Samstag, 8. August 2015

Artikel: Taijiquan – bitte ernst nehmen!


von Katrin Heilmaier

Ich gebe zu, dass ich den leisen Verdacht hege, dass gerade diejenigen, die andauernd kämpfen wollen, das Taijiquan vielleicht selbst noch nicht richtig ernst nehmen. Ständig suchen sie nach Beweisen, dass es auch „richtig funktioniert“. Da scheinen noch entsprechende eigene Erfahrungen zu fehlen. Wenn ich in den letzten Jahren eines gelernt habe, dann ist es, Taijiquan ernst zu nehmen. Sehr ernst sogar.




Verstanden habe ich den Kampfaspekt als ich zu einem der Workshops bei Wee Kee Jin war. Die dauern in Plankstetten eine ganze Woche und sind für mich schon herausfordernd, körperlich wie emotional. Die vielen Informationen (er unterrichtet Englisch), vielen Anweisungen, die zu beachten und bedenken sind (ich will es ja auch „gut“ und „richtig“ machen), die vielen Menschen mit vielen weiteren Worten, vielen Fehlversuche – all das nagte irgendwann an mir. Entspannung kann furchtbar anstrengend sein! Zumal Jin uns gerne reichlich Push-Hands üben lässt.

Mehr: hier