Samstag, 9. Mai 2015

Artikel: Wie kommt Taijiquan zu seinem Namen?

Von Zhou Huasong

Aus dem Vereinsmagazin Nr. 10, S. 9 der Jianquan Taijiquan Association Shanghai vom 30.4.1984

Übersetzt von Martin Bödicker


Alle Stile des Wushu haben sowohl eigene Besonderheiten als auch einen eigenen Namen. Dies manifestiert sich in einem eigenen Charakter. Wie ist es denn mit dem von uns gelernten Taijiquan – warum nennt man es Taiji? Dafür gibt es einen Grund.




Wang Zongyues Klassiker des Taijiquan (Taijiquan jing) beschreibt die Bedeutung klar und deutlich:

„Das taiji ist aus dem wuji geboren. Es ist der Ursprung von Ruhe und Bewegung und die Mutter von Yin und Yang.“

Man weiß aus der eigenen tiefen Erfahrung, dass dieser Satz die zwei Schriftzeichen taiji richtig erklärt und durch die Benutzung des Wortes taiji wird erläutert, dass diese Kampfkunst auf dem Prinzip von Yin und Yang und Ruhe und Bewegung beruht.

Taijiquan wird auch langes Boxen genannt. Im Klassiker des Taijiquan heißt es:

„Das lange Boxen, es strömt ununterbrochen wie ein langer Fluss und das Meer.“

Taijiquan hat diesen anderen Namen, weil er wirklich gut die Bewegungen der Form beschreibt, die wie ein langer Fluss und das Meer ununterbrochen fließen.

Aber wie verwendet man Yin und Yang und Ruhe und Bewegung beim Üben des Taijiquan?

Wenn man Taijiquan mit der „Vorbereitung (yubeishi)“ beginnt, muss man sich bemühen, mit ruhigem Herzen/Bewusstsein (xin) zu stehen. Beide Hände hängen herab und der ganze Körper ist entspannt. Man gebraucht keine Kraft und man denkt nicht nach. Dieser Anfang ist ein Zustand des wuji [d.h. ohne Polarität].

Anschließend kommt die „Taiji-Anfangsform (taiji qishi)“. Durch die Bewegung der Hände wird zwischen links und rechts, sowie innen und aussen unterschieden. Das linke Bein tritt aus der Grundstellung (pingxingbu) hervor und das rechte Bein übernimmt das Körpergewicht. Dieser teilende Bewegungsverlauf bedeutet, dass aus dem wuji das taiji geboren wird.

Wenn der Körper, der Fuß und die Hände sich bewegen, erfolgt dies durch die Achsenmitte von Taille und Hüfte. Der Schwerpunkt verlagert sich auf den rechten Fuß. Dadurch wird das linke Bein leer bzw. Yin und das rechte Bein voll bzw. Yang. Anschließend macht man „den Umriß des Spatzenschwanzes zeichnen (lanquewei)“. Von da an gilt für alle Bewegungen, das immer Yin und Yang, sowie voll und leer unterscheiden werden und die Bewegungen ohne Unterbrechung ausgeführt werden. Wenn man Taijiquan so ausübt, dann versteht man mit Sicherheit auch den Namen Taijiquan.

Mit der Bezeichnung „Langes Boxen“, wie sie schon im Klassiker steht, halten wir es, wie man sie in der Praxis anwendet. Sie beschreibt die Bewegungen der ganzen Form. Eine Bewegung schließt an die andere an. So ist es für alle Bewegungen und es gibt in ihnen den gegenseitigen Wechsel von Yin und Yang, sowie voll und leer. Alles wird zu einer einzigen Bewegung. In Beispielen wie „Die Wolkenhände (yunshou)“, „Das Knie streifen (louxi aobu)“ und anderen wird unverkennbar ausgedrückt, wie die Bewegung von Anfang bis Ende ununterbrochen strömt, wie ein langer Fluss und das Meer. [...]

In der Tat ist taiji ein Wort, das in unserem Lande von alters her ein spezielles wissenschaftliches Fachwort ist. Seine Bedeutung umfasst Yin und Yang, leer und voll, Ruhe und Bewegung, vordringen und zurückweichen, vorne und hinten, oben und unten, sowie links und rechts. Dieser Gebrauch zeigt sich, wie allgemein bekannt, in der taiji-Grafik. Das taiji bewegt sich ohne Unterbrechung und bildet ein harmonisches Ganzes. Mit ihm kann man den Kosmos erklären, die Physik und auch die Technik des Taijiquan. [...]

Vom Namen Taijiquan über das Wissen der grundlegenden Aspekte des Taijiquan, erreicht man eine Methode zur Übung des Taijiquan und erkennt die Anforderungen an die Taijiquan-Praxis. Richtig ist, was dem Namen folgt. Sich mit dieser Regel vertraut machen und sie vollständig beherrschen. Wer dem gemäß Taijiquan lernt und auf diesem Weg fortschreitet, wird garantiert viel erreichen.

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