Sonntag, 26. April 2015

Klassiker: Anmerkungen zu den ursprünglichen Abhandlungen

Absatz aus:

Anmerkungen zu den ursprünglichen Abhandlungen
(von Wu Chengqing)

Nur wenn Tai Chi-Praktizierende Yin und Yang erfasst haben
und Voll und Leer unterscheiden können,
können sie auch Vordringen und Zurückweichen verstehen.
Im Vordringen findet sich Zurückweichen.
Im Zurückweichen gibt es immer noch Vordringen.
Versteckt im Zurückweichen liegt die Gelegenheit für das Vordringen.




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Mittwoch, 15. April 2015

Kleine Weisheit: Über Weichheit

Wer hart sein will,
muss an der Weichheit festhalten.
Wer stark sein will,
muss sich durch Schwäche schützen.
Das Ansammeln von Weichheit führt zu Härte.
Das Ansammeln von Schwäche führt zu Stärke.
Betrachte was angesammelt wird,
um die Richtung von Erfolg und Misserfolg zu erkennen.
Das Harte überwindet,
was nicht so hart ist wie es selbst.
Bei gleicher Härte, gewinnt keines von beiden.
Das Weiche überwindet, was ihm überlegen ist.
Seine Kraft ist unermesslich.

Aus: Das Dao als Quelle - Yuandao




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Sonntag, 12. April 2015

Artikel: Gewandtheit

Gewandtheit

Im Tai Chi Chuan gibt es neben der langsamen Form noch eine Reihe von Waffenformen und z.T. auch eine schnelle Form. Diese Formen werden dynamisch mit vielen Tempowechseln ausgeführt.




Bei der langsamen Form soll man nach Wu Yinghua und Ma Yueliang immer die Aspekte Ruhe (jing), Leichtigkeit (qing), Langsamkeit (man), Gewissenhaftigkeit (qie) und Ausdauer (heng) beachten. Die dynamische Formen unterscheiden sich von der langsamen Form im dritten Punkt Langsamkeit. Unter Langsamkeit wird verstanden, dass die Bewegungen sehr kontrolliert, aber dennoch leicht, gleichmäßig, fließend und ohne Unterbrechungen durchgeführt werden (vgl. Ma Jiangbao, S. 41ff).

Für die dynamische Formen wird der Aspekt der Langsamkeit durch Gewandtheit (ling) ersetzt. Die Gewandtheit manifestiert sich in vier verschieden Merkmalen, die beim Training unbedingt beachtet werden müssen. Nur so kann aus den Qualitäten der Langsamen Form auch eine Beherrschung von schnellen Bewegungen entstehen. Wu Yinghua und Ma Yueliang schreiben dazu:

„Um Leichtigkeit, Gewandtheit, Geschmeidigkeit (yuanhuo) und Geschicklichkeit (ziru) zu entwickeln, muß man auf vier besondere Merkmale achten:

- Pause und Wendung wechseln einander ab (duncuo xiangjian)
- Hart und Weich unterstützen einander (gangrou xiangji)
- Schnell und langsam harmonieren miteinander (kuaiman xianghe)
- Vorne und hinten sind miteinander verbunden (qianhou xianglian)“
(Wu, Ma, S. 2)




Für Wu Yinghua und Ma Yueliang manifestiert sich die Pause (dun), im „stabilen Gleichgewicht“ (zhongding) und die Wendung (cuo) in der Bewegung des Springens. Ma Jiangbao erläutert hierzu, daß die meisten Bewegungen in den dynamischen Formen mit einer schnellen Bewegung enden. Danach wird durch eine kurze Pause ein Akzent gesetzt. Die nächste Bewegung beginnt dann immer mit einem Richtungswechsel, oft begleitet durch einen Sprung (der hier auch ein langer Gleitschritt sein kann). Sprung oder Richtungswechsel sind cuo, die Wendung. Zur weiteren Erläuterung der vier Merkmale schreiben Wu Yinghua und Ma Yueliang:

„Die harte Kraft (gangjin) verwendet starkes fajin. Das Prinzip der Weichheit (rouze) verwendet sanfte Bewegungen. Das bedeutet, nach der harten Kraft folgt die Sanftheit. Die Wendung muss schnell sein. Was die Schnelligkeit betrifft: In ihr liegt die Wendung. In der Langsamkeit liegt das Ausdehnen. Die Positionen der Form müssen deutlich sein. Die ganze Form muß von Anfang an natürlich ausgeführt werden, die letzten Bewegung müssen ruhig sein. Man darf sie nicht vernachlässigen. Das ist die Verbindung von vorne und hinten.“ (Wu, Ma, S. 2)

Ma Jiangbao erklärt dazu, daß in den dynamischen Formen die einzelnen Positionen gestreckter als in der langsamen Form ausgeführt werden. Das führe häufig auch zu einem tieferen Stand. Trotzdem dürfe die Gewandtheit nicht leiden.

Ma, Jiangbao; Tai Chi Chuan; Mach:Art; Ratingen; 1998
Wu, Yinghua; Ma, Yueliang; Wu Shi Tai Ji Kuai Quan; Henan Kexue Jishu Chubanshi;1988