Samstag, 1. November 2014

Kleiner Gedanke: Warum ich Tai Chi Chuan als Kulturgut übe.

von Martin Bödicker


Immer wieder kochen im Internet Diskussionen hoch, die sich z.B. mit folgenden Themen beschäftigen:

- Muss Tai Chi Chuan immer einen kämpferischen Aspekt haben?
- Darf man Tai Chi Chuan ausschließlich für die Gesundheit üben, bzw. anbieten?
- Hat Tai Chi Chuan einen Wert, wenn man es nur der Schönheit der Bewegungen wegen übt?

Immer findet sich schon in der Frage eine klare Zweckorientierung. Man übt Tai Chi Chuan, um etwas zu erreichen.




Das ist sicherlich ein akzeptables Motiv, entwickelt das Tai Chi Chuan aber doch letztlich nur in eine Richtung. Dabei kann Tai Chi Chuan doch soviel mehr bieten.

Gerade las ich folgenden Satz:

"Kultur hat einen wesentlichen Einfluss darauf,
wie wir die Dinge wahrnehmen und bewerten."

Das gab mir doch zu denken, den ich sehe Tai Chi Chuan u.a. als Kulturgut und übe es auch so. Daher sollte Tai Chi Chuan einen wesentlichen Einfluss darauf haben, wie ich die Dinge wahrnehme und bewerte werde.

Genau diesen Effekt habe ich sowohl bei mir, wie auch bei vielen anderen Freunden des Tai Chi Chuan beobachtet:

Tai Chi Chuan beeinflusst in hohem Maße

- wie ich Aggression
- wie ich meinen Körper
- wie ich die Ästhetik von Bewegungen

wahrnehme und bewerte.

Warum sich also immer über Richtig und Falsch in die Wolle kriegen?

Sehe ich Tai Chi Chuan als Kulturgut, kann ich es als Kampfkunst, als Gesundheitsübung, oder einfach aus Freude an der schönen Bewegung üben - in jedem Fall wird es mich in Wahrnehmung und Bewertung von mir selbst und meiner Umwelt weiterbringen.

Aber vielleicht sind ja gerade Diskussion dieser Art der Beginn, Dinge neu wahrzunehmen und anders zu bewerten!

Gruß

Martin

1 Kommentar:

  1. Schöne Gedanken!

    Wenn Taijiquan "nur" zum Wohle der Gesundheit trainiert wird, diese Menschen aber ganz nebenbei die von Martin angesprochenen Punkte erleben, dann hat das Training doch genau das erreicht, was ebenfalls zu einer guten Kampfkunst gehört! Friedfertigkeit und Sanftmut.

    Natürlich könnten sie dann auch Yoga (wobei dieses ebenfalls oftmals nur noch zerhackstückt angeboten wird) trainieren. Aber es ist eben der Ursprung des Taijiquan, der diese Menschen, angesproche hat.

    Ich komme aus dem Kendô. Deutlicher Kontakt, viel Kampf, viel Aua und blaue Flecke. War eine tolle, lehrreiche und wichtige Zeit!
    Davor Jûdô. Dann 2008 zum Wudang Gong Fu, weil ich mehr suchte und es gefunden habe.... Heute mag ich nicht mehr so sehr körperlich kämpfen (zum Spaß gerne ab und an ^^) und trainiere selber eher die Prinzipien und Tuishou, als den "Faustkampf" an sich. Und ich freue mich nebenbei, dass ich mit all den kleinen Dingen des Alltags immer gelassener umgehen kann . Sollte ich jemals in irgendwas körperlich verwickelt werden, was mir in all den Jahren jedoch nicht ansatzweise passiert ist (auf-Holz-klopf), dann wüsste ich mich jedoch auch recht effektiv zu wehren.

    Wer mit Taijiquan kämpfen lernen möchte, findet tolle Lehrer! Ich hab meine auch gefunden, auch wenn uns in der ersten Zeit Kilometers trennten.

    Wer durch Taijiquan "nur" gesund bleiben oder werden möchte, wird auch gute Leute finden. Wichtig find ich hier nur, dass auch diese Lehrer etwas können, damit die Struktur des Körpers nicht gänzlich verloren geht und das "nebenbei" auch weiter gegeben wird .

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