Mittwoch, 22. Oktober 2014

Buch: Gemüse Wurzel Gespräche

Liebe Freunde der chinesischen Weisheit,

drei Jahre Arbeit und jetzt endlich ist es vollbracht - puh - mein neues Hardcover-Buch (12,80 Euro) ist da - frisch vom Drucker:

Gemüse Wurzel Gespräche - Über ein Leben in Balance

Man bekommt es z.B. in jeder Buchhandlung oder hier:

Amazon

Diese Werk des Hong Yingming liegt mir ganz besonders am Herzen. In seinen 360 Reflexionen vereint es die drei großen Lehren Chinas Daoismus, Konfuzianismus und Buddhismus.

Die Essenz seiner Reflexionen ist die Einsicht, Extreme zu vermeiden und das Schlichte zu suchen. Wer dies erreicht, kann den Rhythmus der Natur erkennen und zwischen gegenläufigen Kräften den Ausgleich herbeiführen. Nur durch Einfachheit und die Verbindung der Gegensätze findet sich letztlich Harmonie im Sein.


Wenn der Pfad schmal wird,
gehe zur Seite und mache Platz,
dass andere passieren können.
Lasse bei einem guten Essen
immer einen Teil den anderen.
Das ist die angenehmste Weise,
durch das Leben zu gehen.




Wer Geschäftigkeit liebt,
gleicht einem Blitz in einem Gewitter
oder einer flackernden Kerze im brausenden Wind.
Wer sich nur der Untätigkeit verschreibt,
gleicht Kalter Asche oder einem toten Baum.
Wer aber das Dao verkörpert,
gleicht einem Falken, der durch die ruhigen Wolken jagt,
oder einem Fisch, der aus dem stillen Wasser hervorschießt.


Wenn das Herz voller Licht ist,
findet sich auch in der dunkelsten Kammer ein blauer Himmel.
Wenn man dunkle Gedanken hat,
erscheinen auch am helllichten Tag böse Geister.


Sparsamkeit ist eine feine Tugend,
aber wenn man sie übertreibt, führt es zu Geiz.
Dies ist zu vermeiden. Es verletzt das Dao.
Nachgiebigkeit ist eine feine Tugend,
aber wenn man sie übertreibt, führt es zu Unterwürfigkeit.
Die ist nicht recht. Es entspringt nur dem Eigeninteresse.


Pfeift der Wind durch Schluchten, kann man ihn deutlich hören.
Aber legt sich der Wind, bleibt kein Laut zurück.
Dies ist wie mit der Frage nach Richtig und Falsch.
Sie verschwindet ganz von alleine.
Unser Geist gleicht dem Spiegelbild des Mondes auf dem Wasser.
Er ist leer und nicht von Dauer.
Die äußere Welt und dein Selbst –- vergiss beides!


Gruß und viel Spaß beim Schmökern

Martin

Montag, 20. Oktober 2014

Artikel: Zum Verständnis von keine „doppelte Schwere“ haben und „neutralisieren“ können

Von Li Renliu (übersetzt von Martin Bödicker)

Aus dem Vereinsmagazin Nr. 4, S. 2 der Jianquan Taijiquan Association Shanghai vom 15.1.1982

Ich übe Taijiquan seit mehr als 40 Jahren und ich habe mich, um Aussicht auf Fortschritt zu haben, stets in die Erfolgsgeheimnisse der alten Taijiquan-Meister vertieft. Dieses Jahr habe ich mich mit Wang Zongyues Klassiker des Taijiquan beschäftigt. Dieser Text hat mich inspiriert und er besagt zusammengefasst, dass man auch bei ernsthafter Übung des Taijiquan nur dann einen relativ hohen Entwicklungsstand erzielen kann, wenn man keine doppelte Schwere (shuangzhong) hat und neutralisieren (yunhua) kann.




Für den normalen Menschen bedeutet der Begriff Kampfkunst üben, dass man eine kämpferische Haltung und harte Kraft in den Armbewegungen hat. Beim Taijiquan ist es genau andersherum. Hier knüpfe ich wieder an meine eigene Erfahrung an, aus der ich weiß, dass die Meister der Taijiquan-Familien eine gute Gesundheit und ein langes Leben sowie eine hervorragende Technik haben und niemals harte Kraft verwenden, um zu siegen. Aus der Praxis habe ich die Richtigkeit der Taijiquan-Theorie erfahren: der Schlüssel zu ernsthafter Übung des Taijiquan ist das Lösen des Problems der doppelten Schwere. Wang Zongyue sagt:

„Oft sieht man Leute, die noch nach vielen Jahren ernsthafter Übung weit davon entfernt sind, die Fähigkeit des Neutralisierens zu beherrschen. Meist werden sie auch durch den Anderen kontrolliert, da sie den Fehler der doppelten Schwere nicht erkannt haben.“

Aber warum ist es so schwierig, den Fehler der doppelten Schwere zu verstehen? Es gibt zwei Gründe:

Erstens gibt es das Vorurteil, dass man bei der Kampfkunst beständig Kraft einsetzen muss. Dies behindert die Einsicht in die Leichtigkeit, Entspannung, Weichheit und Harmonie des Taijiquan. In meiner Kindheit habe ich mehr als zehn Jahre Shaolin-Kungfu geübt. Damals war bei mir dieses Vorurteil in noch größerem Maße vorhanden.

Zweitens wird in den Kampfkünsten die Unterscheidung von Voll und Leer oft nur für die Hände und die Füße getroffen. Doppelte Schwere wird so nicht vermieden, da man nicht berücksichtigt:

„Jede Stelle hat einen leeren und einen vollen Aspekt. Überall gibt es immer Leer und Voll. Der ganz Körper ist von Gelenk zu Gelenk ohne die geringste Unterbrechung miteinander verbunden.“

Wenn man sein Können nicht auf diese Einsicht aufbaut, dann kann man in der Konfrontation doppelte Schwere nur schwer vermeiden. Neutralisieren ist dann nicht möglich und man wird selbst durch den Anderen geschlagen.

Im Taijiquan ist die Form die Grundlage (ti) und das Pushhands die Anwendung (yong). Beim Üben der Form kann man auch den Einsatz von jin-Kraft üben. Wenn man keine jin-Kraft hat, wird man beim Pushhands ganz natürlich nur mit körperlicher Kraft arbeiten und sie zum dagegen halten verwenden. In der Art und Weise wie im Taijiquan der Körper, die Hände, die Füße, der Blick usw. verwendet werden, sind Hauptpunkte wie Entspannung, Ruhe, Harmonie und Bauchatmung zu beachten. Man kann einfach sagen:

Beim Üben der Taijiquan-Form muss man die Lebenskraft innen halten und die Gedanken konzentrieren. Man sorgt dafür, dass die Bewegungen sich entspannt, leicht, gewandt und besonnen entfalten. Die Bewegungen des Bauches sind mit der Atmung verbunden. So kann man üben, die gesunkene jin-Kraft hervorkommen zu lassen.

Wenn man entspannte und gesunkene jin-Kraft hat, kann man einmal entspannen, einmal sinken und einmal leer, einmal voll erreichen. So wird man Schritt für Schritt durch in der Weichheit liegt Härte, in der Härte liegt Weichheit und Weichheit und Härte unterstützen einander, kreisförmig und gewandt und andauernd ohne Unterbrechung die Elastizität der jin-Kraft voll entwickeln. Dies ist der Prozess von höchste Weichheit wird zu höchste Härte und man muss es trainieren, bis man es kann, auch wenn es relativ schwierig ist.

Beim Pushhands muss man das jin-Kraft Fühlen (tingjin) und das Reagieren üben. Man muss entspannte und gesunkene jin-Kraft verwenden und mit Kleben, Verbinden, Haften, Folgen ohne den Kontakt zu verlieren oder dagegenzuhalten üben, sodass man allmählich die Absicht des Angreifers versteht und behände eine passende Gegenmaßnahme ergreifen kann. Kleben und mitgehen, ohne den Kontakt zu verlieren, wie in Kleben ist Mitgehen. Mitgehen ist Kleben. Das ist einfach ohne doppelte Schwere sein und neutralisieren können. Bei der Konfrontation mit Kraft muss man neutralisieren, d.h. einfach, die günstige Position durch Anwendung des Gegenteils erreichen, den Fehler der doppelten Gewichtung vermeiden und so selber den Anderen beherrschen.

Natürlich muss man, um dieses Niveau zu erreichen, von der Theorie bis zur Praxis alles durchlaufen und ohne Unterbrechung sehr hart üben. So kann man großen Erfolg erreichen und es heißt nicht:

„Man hat vergebens viel Zeit und hartes Üben (gongfu) aufgewendet und hinterlässt ein Seufzen.“

Dies ist nur mein relativ einfaches Verständnis über doppelte Schwere und Neutralisieren. Es muss nicht ganz richtig sein und so bitte ich die Älteren und meine Taijiquan-Gefährten mich zu belehren.

Sonntag, 19. Oktober 2014

Artikel: Das Problem der "Doppelten Gewichtung"

Das Problem der "Doppelten Gewichtung"

von T. Stoeppler

Gerade die Übenden des Tajiquans haben mit der Beschreibung des grundlegenden Problems der "doppelten Gewichtung" zu tun, aber der Begriff selbst ist nur ein Platzhalter für ein Defizit in der Körpersteuerung ganz allgemein. Im Taijiquan gilt es "von der ersten Bewegung an leicht und wendig" zu sein; das gilt für das Pushing Hands und die formellen Übungen. Dabei handelt es sich natürlich um ein Ideal - man versucht sich diesem graduell anzunähern. Ich werde hier einmal die verschiedenen Möglichkeiten der "Doppelten Gewichtung" erörtern. Das Konzept im Sinne von Problem und Lösungsstrategie(n) selbst ist natürlich auch auf diverse Alltagssituationen übertragbar, allerdings soll das hier nicht Thema sein.




Ganz allgemein gesprochen ist man "doppelt gewichtet", wenn der Körper passiv durch Arretieren seiner strukturellen Elemente sich selbst (vermeintlich) stützt. Das vielleicht klarste Bild einer doppelt gewichteten Struktur ist eine Brücke, deren tragender Bogen sich zwischen zwei Pfeilern aufspannt. Im menschlichen Körper nennt man diese Art der Ausrichtung eine geschlossene kinematische Kette und sie ist verständlicherweise sehr stabil, aber nicht sehr mobil.

Eine klassische Anweisung im Taijiquan ist das Unterscheiden von "Voll und Leer" - also dass der Übende immer genau zwischen einer lasttragenden Körperseite und der freien Körperseite entscheiden kann.
Als einfachstes Beispiel dient der normale Stand - man versucht, immer ein Bein "voll" also belastet zu haben, während das andere Bein "leer" also frei für jedwede Bewegung ist. Bewegt man sich einen Schritt vor, soll der Übende immer ein Bein belastet und eines frei haben.

Selbstverständlich ist dies nicht möglich. Es gibt immer einen Moment, an dem beide Beine lasttragend sind - einbeiniges Hüpfen mal ausgenommen, aber das ist nicht gemeint - …

Mehr: hier

Samstag, 18. Oktober 2014

Book: Jonathan Bluestein's Research of Martial Arts

Jonathan Bluestein's Research of Martial Arts




This big book (418 pages) got my attention straight away. First I know Jonathan from his many publications in the internet and second because of the word 'research' in the title. So I was curious what I would find.

What I got is a comprehensive, exploratory, educational tour of the field of martial arts.

- In the first part 'From the Inside Out - External and Internal Gong Fu' Jonathan examines martial arts theory and practices. He looks into old and new - western and eastern concepts. For sure a chapter which will lead to a lot of discussions in the martial arts world.

- The second part 'Contemplations on Controlled Violence' concentrates on personal thoughts and guest-articles. This is a very special chapter - what a interesting topic. The approach - to present own articles and let other people speak in short articles - is a clever and inspiring idea.

- Interviews of masters and teachers are the core of the third part called 'The wisdom of Martial Spirits'. As in chapter two not the author is speaking. The partner of the interviews are experts from the martial art world. What a great luck, that the reader can get a deep lock into the thinking of these people.

Yup, that is a big research book. Jonathan presents loads of material. He distinguish between facts, material/opinions of other authors and his own ideas (the book has 11 pages of bibliographical references). Thus the reader has the freedom to find his own point of view. That is, what I call 'presenting results of a research'.

And yup, this a great research book of Jonathan's personal martial arts history. Luckily he let us participate in his travel and so everyone can profit from the wealth of material.

In the end only one question remains: Who will not profit from a martial arts book like that?

Mehr: hier

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Buch: Träge und trunkene Verse aus dem alten China

Wo doch alle hier so fleißig üben, hier ein kleiner Ausgleich - jetzt auch auf Papier:

Die trägen und trunkenen Verse aus dem alten China




Das träge Leben als Ideal – es findet sich bei vielen chinesischen Dichtern.
Auf höchst poetische Art erläutern sie uns ihre Liebe zur Untätigkeit:

In dieser herrlichen Landschaft lasse ich alles Weltliche hinter mir.
In Trägheit und Muße zieht das Leben an mir vorbei.
Der Abend ist klar – der Wind streicht durch den Bambushain.

Auch ein Glas Wein darf beim trägen Leben nicht fehlen:

Eine lange Nacht für tiefe Gespräche.
Selbst der Mond fand nicht in den Schlaf.
Doch schließlich lagen wir trunken darnieder.
Den Himmel als Decke – die Erde als Kissen.

Viel Spaß beim Schmökern.


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Samstag, 11. Oktober 2014

Buch: Der Klassiker des Go in dreizehn Kapiteln

Mal etwas anderes und doch ganz verwandt zu meinen bisherigen Übersetzungen:

"Der Klassiker des Go in dreizehn Kapiteln" als Taschenbuch oder Ebook:

Bestellen: hier




Der "Klassiker des Go in dreizehn Kapiteln" aus dem 11. Jahrhundert n. Chr. ist einer der wichtigen Texte des alten China zum Go. Er führt in die Gedankenwelt des Go ein und erläutert grundlegende strategische Konzepte.

Bis heute wird der "Klassiker des Go" in Asien von Go-Spielern studiert und einige seiner Sätze sind sogar zu stehenden Redewendungen in der Go-Welt geworden, wie z.B.:

„Es ist besser, einige Steine zu verlieren als die Vorhand."

So kann eine jede Maxime aus dem "Klassiker des Go" den Anlass bieten, sein Spiel noch einmal zu überdenken.

Viel Spaß beim Schmökern.

Gruß Martin