Sonntag, 10. November 2013

Artikel: Kao - der Stoß mit dem Körper

Kao ist eine Technik, bei der der Rumpf zum Angriff eingesetzt wird. Ma Yueliang kommentiert erklärt:

Kao ist eine offensichtliche Kraft. Es ist der Gebrauch der Schultern und des Rückens, um die leeren (xu) Stellen des Gegners anzugreifen. Es ist Kraft leihen und Kraft gebrauchen. Es ist auch eine oft benutzte Technik, wenn man beim Angriff des Anderen nicht rechtzeitig mit den Händen wechseln kann. Kao ist wie das Ausdehnen von Gas – schlagartig bricht es aus. Der Andere kann dabei sehr stark erschüttert werden.“ (Ma, Xu, S. 11)


Kao ist also eine sehr explosive Technik. Ma Yueliang legt jedoch darauf Wert, dass kao nur dann effektiv ist, wenn es aus der richtigen Situation heraus angewendet wird, d.h. das man die leeren Stellen des Angreifers mit kao erreicht. Diese Situation wird im Chinesischen mit jishi (günstige Gelegenheit und strategischer Vorteil) bezeichnet. In der Abhandlung zum Taijiquan (Taijiquan lun) heißt es dazu:

„Durch Vordringen und Zurückweichen erlangt man die günstige Gelegenheit und den strategischen Vorteil. Erlangt man die günstige Gelegenheit und den strategischen Vorteil nicht, wird der Körper unorganisiert und durcheinander sein.“
(Bödicker, S. 23)

Schätzt man die Situation also falsch ein, ist der Gebrauch von kao sehr riskant. Der Partner kann die entstandene Kraft neutralisieren und sie eventuell sogar leihen. So wird man mit Sicherheit seinen Schwerpunkt verlieren. Im schlimmsten Fall wird der Angriff nicht nur misslingen, sondern man kann auch selber geschlagen werden. Man sollte also immer darauf achten, nur die leeren Stellen des Anderen anzugreifen. Gelingt dies im Training optimal, sollte man den Ratschlag von Ma Jiangbao folgen und kao nur sanft einsetzen, um den Partner nicht zu verletzen. Ansonsten kann es zu der Situation kommen, die im Lied der 13 Grundbewegungen von Li Yiyu beschrieben ist:

"Bei kao suche ich zuerst das Dreieck. Ich platziere mich vor seinem Unterleib mit dem Blick seitwärts nach unten. Taille und Körper drehen sich zusammen und so schickt man den anderen zum König der Hölle."
(Bödicker, S. 59)


Bödicker, Martin, Das Tai Chi-Klassiker Lesebuch, Boedicker, Willich, 2013
Ma Yueliang, Xu Wen, Wushi Taijiquan Tuishou, Xianggang Shanghai Shuju Chuban, Hongkong 1986

Zur Diskussion zu diesem Artikel: hier

1 Kommentar:

  1. As you are always reminding us " be a nice partner " then we can both learn, nice one Martin

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