Mittwoch, 9. Oktober 2013

Text: Kleiner Gedanke

von Martin Bödicker

In letzter Zeit versuche ich noch stärker als früher, die Wichtigkeit der Theorie des Tai Chi Chuan in meinen Veröffentlichungen darzustellen. Dabei werde ich aber immer wieder gefragt, ob das wirklich sein muss. Was nützt mir die Theorie?

Eine Antwort dazu findet man im Denken des alten China. Dort wird das Weltgeschehen als fortwährende gesetzmäßige Wandlung begriffen. Eine richtiges Handeln des Menschen in einer gegebenen Situation ergibt sich dann, wenn man schon im voraus sich erfüllende Tendenzen erkennt. Man muss die Keime des Werdenden rechtzeitig bemerken. So erlangt man die Möglichkeit, die Situation zu beeinflussen, ehe sich die Entwicklungen verfestigen. Ein frühes Handeln erfolgt so in Leichtigkeit und entspricht dem wuwei, dem Handeln, ohne zu handeln.

Um diesem Ideal - dem Handeln in Leichtigkeit - zu folgen, bedarf es aber des Wissens von der Gesetzmäßigkeit des Wandels. Ohne dieses Wissen tappt man im Dunkeln. Die Theorie ist in der Lage, uns das Wissen von der Gesetzmäßigkeit des Wandels zu vermitteln. Dies gilt im Allgemeinen, aber auch für das Tai Chi Chuan, einer Kampfkunst, die sogar das Gesetz des Wandels im Namen trägt.

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