Donnerstag, 25. Juli 2013

Doktorarbeit: Fernöstliche Kampfkunst, Lebenskraftkonzepte und Selbsttransformationstechnologien.

Das Promotionsprojekt „Fernöstliche Kampfkunst, Lebenskraftkonzepte und Selbsttransformationstechnologien. Theorie und Praxis asiatischer Sinnsysteme“ untersucht die Produktion, die Verbreitung und den historischen Wandel von Deutungen der Sinnsysteme und Ressourcen fernöstlicher Kampfkünste. Das Angebot von Kampfkunstschulen wird mit Hilfe diskursanalytischer Methodologie und Analyseverfahren untersucht (vgl. Meuser et al 2003: 35-39; Landwehr 2001: 103-134; Nöth 2000: 51-53; Lemke 1997: 11-53; Kögler 1994: 25-63; Foucault 1981, 1969). Forschungsleitende Fragestellungen beziehen sich auf die Formation gesellschaftlicher Wissens- und Machtproduktion sowie subjektive Selbstkonstituierungsweisen. Untersucht wird, wie Diskurse über Technologien des Körpers, der Psyche und der Lebensführung im Feld der Kampfkunst hervorgebracht werden, und welche Äußerungsmodalitäten, Begriffe und Strategien die Konstituierung diskursiver Formationen stützen. Diese Arbeit soll auch das vorausgegangene Forschungsprojekt „Westliche Sinnfindung durch östliche Kampfkunst? Das Angebot von Kampfkunstschulen – Theorie und Praxis des Wushu und Budo“ (Hintelmann 2005) aktualisieren.

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Montag, 22. Juli 2013

Doktorarbeit: Verhaltensbiologische Untersuchung funktionsmorphologischer Größeneffekte in Kommentkämpfen bei Säugetieren und Sportlern

Kommentkämpfe sind Kämpfe, die nicht zur physischen Ausschaltung des Gegners, sondern nur zu seiner Unterwerfung führen sollen. Sicherlich ein Thema, dass für den einen oder anderen interessant ist. Wäre wirklich spannend, es einmal auf das Pushhands zu übertragen.

Ziel der Arbeit:

Das Ziel dieser Arbeit ist verhaltensbiologische Methoden zu nutzen, um Kommentkämpfe funktionsmorphologisch zu untersuchen. Dazu sollen Verhaltenskategorien, die auf der Grundlage funktionsmorphologischer Zusammenhänge gebildet wurden, genutzt werden, um ritualisierte Kämpfe bei Säugetieren zu dokumentieren. Diese ethologischen Dokumentationen sollen Aufschluss darüber geben, inwieweit Größeneffekte bei Säugetieren das Kampf- verhalten bzw. die Kampfbewegungen beeinflussen.

Ferner sollen Kategorien gebildet werden, um die Bewegungen in Ringkämpfen bei Menschen zu dokumentieren. Diese humanethologischen Dokumentationen sollen Aufschluss darüber geben, inwieweit das Körpergewicht beim Judo und Freistilringen Einfluss auf die Kampfbewegungen nimmt.



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Freitag, 19. Juli 2013

Text: Yang Chengfu zum Sinn des Tai Chi Chuan

Hier noch ein Zitat von Yang Chengfu zu dem Thema Sinn des Taijiquan (1933 - geschrieben zu jener Zeit, als das Tai Chi Chuan populär in China wurde):


"In meiner Jugend pflegte ich zuzusehen, wie mein inzwischen verstorbener Großvater Yang Luchan meine Onkel väterlicherseits und andere Schüler in der täglichen Praxis des Taijiquan anleitete. Sie trainierten Tag und Nacht ohne Pause, sowohl einzeln als auch paarweise. Ich war allerdings skeptisch und glaubte, dass die Selbstverteidigung gegen einen einzelnen nicht des Studiums wert sei und dass ich zukünftig die Verteidigung gegen zehntausend studieren würde.

Als ich etwas älter geworden war, forderte mich mein verstorbener Onkel Yang Banhou auf, bei ihm zu lernen. Da ich meine Zweifel nicht länger verbergen konnte, erzählte ich sie ihm ganz direkt. Mein inzwischen verstorbener Vater Jianhou wurde ärgerlich und sagte: ´Wie, was sind das für Worte? Dein Großvater hat dies der Familie vermacht. Willst du etwa das Familienerbe aufgeben?´.

Mein Großvater Luchan beruhigte ihn mit den Worten. ´Kinder sollte man nicht zwingen.´ Er knuffte mich sanft und fuhr fort: ´Warte einen Moment und laß mich es dir erklären. Der Grund dafür, dass ich die Kunst praktiziere und unterrichte, ist nicht, andere anzugreifen, sondern sie dient der Selbstverteidigung. Nicht um die Welt herauszufordern, sondern um die Nation zu retten. Die Edlen heutzutage kennen nur die Armut der Nation, wissen aber nichts von ihrer Schwäche. Darum suchen unsere Führer eifrig politische Rezepte zu formulieren, um die Armut zu verringern, aber ich habe noch nie von Plänen gehört, die die Schwachen und Siechen wieder stark machen sollen. Wenn eine Nation aus kranken Leuten besteht, wer ist dann dieser Aufgabe gewachsen?

Wir sind arm, weil wir schwach sind; tatsächlich ist Schwäche die Ursache der Armut. Wenn wir das Wachsen der Nationen untersuchen, finden wir, dass allesamt mit der Stärkung ihrer Völker beginnen. Die Männlichkeit und Kraft der Europäer und Amerikaner versteht sich von selbst, aber die zwergenhaften Japaner sind diszipliniert und entschlossen, wenngleich sie auch klein von Statur sind. Wenn die hageren und ausgemergelten Mitglieder unseres Volkes ihnen gegenüber stehen, braucht man kein Wahrsager zu sein, um das Ergebnis vorherzusehen. Daher ist die beste Methode, die Nation zu retten die, die Hilfe für die Schwachen zu unserem höchsten Ziel macht. Wer das mißachtet, setzt sich dem Mißerfolg aus.´"

Aus: Bödicker/Sievers, China zur Zeit der großen Tai Chi-Meister: 1897 - 1937
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Artikel: Das Große Lernen (Daxue) - Tai Chi Chuan als Technik der Selbstkultivierung


Der Weg des Großen Lernens liegt in der klaren und reinen inneren Kraft (de) und bedeutet, die Menschen zu lieben und sein Ziel im höchsten Guten zu sehen.

Hat man Kenntnis von seinem Ziel, so ist man gefestigt.

Hat man Festigkeit, so wird man ruhig.

Hat man Ruhe, so wird man gelassen.

Hat man Gelassenheit, so kann man gründlich nachdenken.

Hat man gründlich nachgedacht, wird man ankommen.

Die Dinge haben Wurzeln und Verzweigungen.

Die Angelegenheiten haben Ende und Anfang.

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Montag, 8. Juli 2013

Artikel: Zhou Dunyi (Chou Tun-yi), der erste Denker des Neokonfuzianismus


von Martin Bödicker

Zhou Dunyi (1017 – 1073 n.Chr.) lebte zur Zeit der Song-Dynastie (960 – 1279 n.Chr.) und trug wesentlich dazu bei, dass diese Zeit zu einem Wendepunkt in der Philosophiegeschichte Chinas wurde. In der Zeit vor der Song-Dynastie vom 2. – 9. Jahrhundert n.Chr., aber vor allem zur Zeit der Tang-Dynastie (618 – 906 n.Chr.) war China ein kosmopolitisches Land mit stark religiöser Prägung. Sowohl Buddhismus, als auch Daoismus wurden über lange Zeiträume hinweg allgemein geschätzt und staatlich gefördert. Mit dem Beginn der Song-Zeit sollte sowohl der Einfluss des Buddhismus als auch des Daoismus verblassen. Der Konfuzianismus, der nun wieder vorherrschende Philosophie wurde, entsprach nicht dem ursprünglichen Konfuzianismus.

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Donnerstag, 4. Juli 2013

Artikel: Meine Tai Chi-Erfahrungen im Kontakt mit anderen Kampfkünsten

von Heidi Elseven, Regensburg, 2009

Eigentlich war es ja zunächst nicht mein Bestreben den Aspekt der Kampfkunst des Taijiquans zu unterrichten. Das wollte ich den Jungs überlassen. Aber dann kamen immer mehr Schüler aus andren Kampfkünsten in meinen Unterricht. Am Anfang hat es mich schon ein wenig nervös gemacht, wenn sich wieder einmal Kampfkünstler mit hohen Gurten (auch Dan-Träger) bei mir zum Unterricht an der Universität anmeldeten. Ich dachte, dass kann wohl nicht wirklich funktionieren.

Ich hatte eine Zeit lang intensiv Shotokan-Karate an der Universität betrieben und erkannte die Karatekas an ihrer Art sich zu bewegen meist ziemlich schnell aus meinem Unterricht heraus. Meist lernen sie sehr schnell, wie sie auch mit ihren Fäusten blitzartig zuschlagen können, und im allgemeinen können sie sich auch sehr gut bewegen. Besonders faszinierend für mich ist die Sprungkraft mancher Karatekas.


Schon während meines eigenen Karatetrainings hatte ich mich allerdings gewundert, dass selbst noch die Schwarzgurte mit angespannten Brustkorb im Hohlkreuz im Kiba Dachi, dem Mabu des Karate, stehen. Auch wunderte ich mich darüber, dass die Gelenke bei den Faust- und Fußstössen nicht selten nur so krachten. Und zu kurz kam nach meinem Empfinden aus dem Taijiquantraining heraus die präzisen Erklärungen der Stellungen in den Katas.

Wenn ich unterrichte, stelle ich mich jeweils auf die Gruppe ein, die ich unterrichte. In Gruppen, in denen viele Kampfkünstler sind, versuche ich entsprechend auf die Kampfkunstaspekte Bezug zu nehmen. Bei Karateschülern hatte ich es leicht eine Verbindung zwischen den beiden Kampfkünsten Taijiquan und Karate herzustellen, da ich mich selbst eben schon eingehender mit den Hintergründen und der Theorie des Karates beschäftigt hatte. Andersherum studierte etwa auch Funakoshi, der Begründer des Shotokan-Karates, intenisv die Klassiker der chinesischen Philosophie, die zu einem Bestandteil seiner Ausbildung als Karatemeister gehörten.

Ich erzählte den Kampfkunstschülern also von meinen eigenen Erfahrungen aus dem Karatetraining, nicht ohne meine Begeisterung, die ich für das Karate pflege, auszudrücken. Ich begann zu erklären, worin meiner Meinung bei den Schülern Fehler in der Ausführung dieser Kampfkunst lägen. Diese, wie bereits oben geschildert, liegen zunächst einmal in der Haltung und in einer Fehlstellung und Überbeanspruchung der Gelenke. Und das nicht nur bei Karatekas, auch bei Judokas und im Jiujitsu so. Der gemeinsame Fehler liegt oft in einer zu starken Anspannung des Brustkorbes und in einem nicht ausreichendem Sinken lassen des Steißbeines, häufig auch einer Anspannung im Zwerchfell oder im gesamten Bauchraum. Dadurch kann sich die Wirbelsäule nicht gerade ausrichten, sowie Atmung und Schwerpunkt, nach östlicher Philosophie auch die Energie, nicht ins untere Dantian (japanisch Hara) sinken. Bei angespannter Muskulatur kann sich die Atmung nicht vertiefen. Der Schwerpunkt bleibt zu weit oben, dadurch ist die Kraft in den Beinen und den Füssen geschwächt.

Bei der Vorwärtsstellung (Gong Bu bzw. im Zenkutsu Dachi) ist nicht selten die Achse des hinteren Beines zum Scheitelpunkt des Kopfes gebrochen, wodurch ein großer Druck auf die Lendenwirbelsäule entstehen kann. Mit einer gebrochenen Achse ist es schwierig, äußeren Druck standzuhalten, weil man die Kraft nicht durchlassen und über das Bein in den Fuss und in den Boden lenken kann. Die Struktur ist dort leicht zu brechen, wo der Gegenüber angespannt ist oder die Struktur von vorne herein schwach oder schon gebrochen ist.

Zur Demonstration eines solchen Unterrichts eignet sich wunderbar ein ganz einfaches Spiel. Die Partner stehen sich in Vorwärtsstellung gegenüber, also in Gong Bu bzw. Zenkutsu Dachi, und versuchen sich gegenseitig aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ein Gegenüber mit angespannten Brustkorb ist leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Der Schwerpunkt ist zu weit oben, es fehlt die Kraft in den Beinen. Die schlechte Struktur in der Lendenwirbelsäule ist leicht zu brechen. Sind Körper und Geist hingegen ruhig und entspannt, der Schwerpunkt und die Atmung (nach östlicher Philosophie auch die Energie) im unteren Dantien (Hara), bleibt die Wirbelsäule in sich gerade. Dies gilt auch, wenn sie geneigt wird. Die Achse verläuft in einer Linie über das hintere Bein zum Scheitelpunkt des Kopfes. Bei einer solchen Struktur geht die Kraft des Gegenübers durch den Körper in in das hintere Bein. Eine solche Struktur ist nicht zu bewegen. Man ist stabil, ohne das man dafür auch nur die geringste Kraft aufwenden müsste. Während man den anderen machen und dessen Kraft durch den Körper lässt, kann man in Ruhe schauen, wo man hinlangen muss, um den Gegenüber aus dem Gleichgewicht zu bringen. Das macht mir einen Heiden-Spaß!

Übertragen wir das, was wir bis hierher aus der Theorie wissen und in der Praxis erfahren haben auf die Langsame Form des Taijiquans. Dazu braucht es nur die ersten Bewegungen des 1. Teils bis Dan Bien, denn darin sind schon alle Grundstellungen enthalten. In der Praxis fällt auf, dass es hier gerade für trainierte Schüler aus der Kampfkunst, die sehr viel Spannung im Brustkorb aufgebaut haben, schwer ist, sich auf den Beinen zu halten, wenn man ihnen den Brustkorb und die Bauchmuskulatur lockert und die Haltung ausrichtet. Das liegt daran, dass mit der Entspannung der Muskulatur der Schwerpunkt sinkt und das was oben nicht mehr durch Muskelverspannungen festgehalten wird von den Beinen getragen werden muss. Eine weitere Schwierigkeit stellt die nach vorne ausgerichtete Stellung beider Füße dar. Hier macht sich häufig eine Fehlstellung der Gelenke bemerkbar. Die Hüfte oder das Knie oder beides kippt aus dem Gelenk (was natürlich sehr schädlich für die jeweiligen Gelenke ist), das Bein hat häufig keine Verbindung über die Hüfte zum Rest des Körpers. Der Körper hat keine stabile Struktur und kippelt ständig oder kippt komplett.

Ja, so etwa sieht bei mir eine Unterrichtsstunde für Kampfkunstschüler aus. Eine Unterrichtsstunde in dieser Art wird von meinen Schülern aus anderen Kampfkünsten mit grosser Faszination angenommen. Auch sind sie völlig verwundert, dass Ihnen das bisher keiner gesagt hatte. Und die langsamen präzisen Bewegungen finden sie richtig toll. Andere wichtige Punkte in meinen Kampfkunststunden sind: das Sinkenlassen der Ellenbogen und die Tailliendrehung, die Bewegung über die Gelenke, das Öffnen und Schließen der Gelenke, die Anwendungen und anderes mehr. Soweit erst mal für Euch, damit Ihr zunächst mal von mir einen Eindruck bekommt, wie bei mir ein Kampfkunstuntericht abläuft.

Mittlerweile mache ich auch Bojutsu. Was das Karate betrifft, tausche ich mich mit den Prinzipien aus dem Shorin Ryu aus. Beides nach Oshiro Toshishiro, der in Amerika als großer Kampfkunstexperte gilt.

Montag, 1. Juli 2013

News: Drei wissenschaftliche Arbeiten zum Thema chin. Kampfkunst und Tai Chi Chuan

Wirklich sehr erhellend:

- Filipiak, Kai, Die chin. Kampfkunst, Leipziger Universitätsbuchhandlung, 2001 probieren.

- Nabil Ranne, Die Wiege des Taijiquan, Logos, 2011,
Der soziokulturelle Kontext der chinesischen Kampfkunsttheorie mitsamt einer Analyse der ältesten Bewegungsformen des Taijiquan.

- Rainer Landmann, TAIJIQUAN Konzepte und Prinzipien einer Bewegungskunst
Analyse anhand der frühen Schriften, Hamburg 2002
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Artikel: Zhuangzi, der zweite große Daoist

„Einst träumte Zhuang Zhou, dass er ein Schmetterling sei, ein flatternder Schmetterling, der sich wohl und glücklich fühlte und nichts wusste von Zhuang Zhou. Plötzlich wachte er auf: da war er wieder wirklich und wahrhaftig Zhuang Zhou. Nun weiß ich nicht, ob Zhuang Zhou geträumt hatte, dass er ein Schmetterling sei, oder ob der Schmetterling geträumt hat, dass er Zhuang Zhou sei, obwohl doch zwischen Zhuang Zhou und dem Schmetterling sicher ein Unterschied ist. So ist es mit der Wandlung der Dinge.” (Wilhelm, S. 52)


Wie dieser kleine Text zeigt, ist Zhuangzi ein außergewöhnlich interessanter Denker. Er gilt als der zweite große Daoist und wirkte in der Zeit um 350 v. Chr. Über sein Leben als historische Person ist wenig bekannt. Er lebte wohl zumeist in sehr einfachen Verhältnissen und soll des öfteren hohe Ämter ausgeschlagen haben. Das nach ihm benannte Buch Zhuangzi (auch „Das wahre Buch vom südlichen Blütenland“ genannt) ist wahrscheinlich zum Teil von ihm selbst geschrieben worden. Im Gegensatz zu den orakelhaften Sprüchen des Laozi finden sich seine oft auch humorvollen Gedanken in Erzählungen, Gleichnissen und kleinen Anekdoten festgehalten.

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