Mittwoch, 4. April 2012

Das Leben verlängern. Die Jahre ausdehnen. Ewiger Frühling.

Von Jiang Changfeng, aufgeschrieben von Ma Zhenfu
Aus dem Vereinsmagazin Nr. 4, S. 11 der Jianquan Taijiquan Association Shanghai vom 15.1.1982

Das im In- und Ausland bekannte Taijiquan ist zusammengefasst eine herausragende Entwicklung aus den chinesischen Kampfkünsten, den Atemübungen, der Lehre des daoyin (die Lehre vom führen und leiten) und anderen Techniken. Schon im „Lied der 13 Grundbewegungen (Shisanshi gejue, siehe Taijiquan Lilun 2)“ wird auf folgendes hingewiesen: „Mache Dir bewusst, worin letztlich die Absicht besteht. Das Leben verlängern. Die Jahre ausdehnen. Ewiger Frühling.“

Das leitet uns von der Kampfkunst zum Ziel der Gesundheitspflege. Warum soll man Taijiquan üben? Doch letztlich wohl um Gesundheit und ein langes Leben zu erreichen. Das ist ein entscheidendes Merkmal des Taijiquan. Es bringt uns dazu, nach folgendem zu streben: Ein ruhiges Herz/Bewusstsein (xin) und den Gebrauch der Vorstellungskraft (yi). Die Bewegungen sind langsam und entspannt. Der ganze Körper ist in Harmonie. Innen und Außen sind vereint. So bildet sich eine umfassende Trainingsmethode. Diese stimmt genau mit den Vorstellungen der chinesischen Medizin überein. Bei der Vorbeugung von Krankheiten, der Stärkung der Körperkonstitution und der Verlängerung des Lebens spielt Taijiquan eine positive Rolle. Wenn die Anderen sie im hohen Alter um Ihre Jugendfrische beneiden sollen, denken Sie daran, dies ist keinesfalls leicht zu erreichen. Man muss sich lange Zeit einem hartem Training mit vielen Windungen und Wendungen unterziehen, um den Gipfel zu erklimmen. Ich übe jetzt seit einigen Jahrzehnten Taijiquan und habe bezüglich dieses Themas ein wenig Erfahrung. Daher möchte ich hier einige unvollkommene Ansichten besprechen, um mit ein paar dahin geworfenen Bemerkungen eine fruchtbare Diskussion anzuregen.


Wenn man Taijiquan zu erlernen beginnt, muss man zuerst nach einem ein guter Lehrer und hilfsbereiten Freunden suchen. Dann muss man die Stellungen der Form üben, bis sie fehlerfrei sind. Man muss aber unter allen Umständen vermeiden, dies nach einer begrenzten Zeit zu beenden, denn sonst macht man den Umweg des „das leichte Lernen verwandelt sich in schweres Lernen“. Gleichzeitig muss man an den Kernpunkten des Taijiquan arbeiten, z.B. die Gedanken sind gesammelt, das qi ins dantian sinken lassen (qichen dantian), aufrechter Kopf und leerer Nacken (xuling dingjin), Schultern senken und Ellenbogen hängen lassen (zhuizhou chenjian) usw. Früher oder später kann man das dann auch in alltäglichen Bewegungen verwirklichen. Man kann im Gehen, Stehen, Sitzen und Liegen üben. Dabei bewahrt man stets die eigene Zentriertheit, korrekte Haltung und Ruhe und Entspannung. Diese kraftvolle Haltung unserer Kampfkunstvorfahren steckt voller Vitalität. Zusammengefasst ist der Rumpf so gerade, wie wenn man sagt. „Sich respektvoll halten und würdevoll sitzen.“ Dies ist das gute Vorbild für unser Üben.


Auf der Grundlage einer guten Taijiquan-Form ist der nächste Schritt in der Entwicklung das Pushhands. Die Form ist die Grundlage (ti) und das Können (gongfu) der Kenntnis von sich selbst. Das Pushhands ist die Anwendung (yong) und die Kenntnis vom Anderen (bezüglich ti und yong siehe Taijiquan Lilun 3). Dies beides ist miteinander verbunden und mit beiden gemeinsam kann man eine noch größere Gesundheitswirkung erzielen. Es gibt Leute, die verstehen Pushhands nur als eine Kampfkunst, mit der man sich mühelos wehren kann. Dies muss nicht so sein. Wie oben gesagt, kann sich das letzte Ziel des Taijiquan von „den Anderen schlagen“ zu „ein langes Leben erreichen“ verschieben. Dies kann letztlich nur in Erfüllung gehen, wenn beim Pushhands beide Seiten mit „Freundschaft ist das Wichtigste – weiches Neutralisieren herrscht vor“ üben. Dadurch kann nicht nur gegenseitiger Meinungsaustausch zur Kampfkunst erreicht werden, sondern es kann auch faszinierend und fesselnd sein und das Interesse steigern.


Zusammengefasst erfährt man durch Taijiquan Gesundheit und ein langes Leben. Am wichtigsten ist es, an gewissenhafter Praxis festzuhalten. Aber es ist auch wichtig, diese eng mit den Studien zur Theorie (lilun) zu verbinden, denn aus der sinnlichen Erfahrung kann man unaufhörlich eine Vertiefung der rationalen Erkenntnis erreichen. Die alten Klassiker des Taijiquan stammen aus der jahrzehntelangen praktischen Erfahrung großer Meister. Sie sind sehr gehaltvoll und nehmen Bezug auf die klassische Philosophie, die „Erklärung des taiji-Diagramms“ (siehe Taijiquan Lilun 1), die Lehre von yin und yang (siehe Taijiquan Lilun 2), die chinesische Medizin, die „Kunst des Krieges“ von Sunzi u.v.a. Darunter gibt es auch Thesen aus der modernen Wissenschaft, wie der Dialektik, Mechanik, Physiologie und Gesundheitspflege u.v.a. die zu gleichen Ergebnissen kommen. Während wir die Tradition pflegen und das Taijiquan üben, nehmen wir seine Essenz auf. Die Wissenschaft kann die Trainingsmethoden des Taijiquan verbessern, den Gesundheitseffekt erhöhen und neue Wege des Fortschritts hervorbringen.

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