Dienstag, 27. März 2012

Was ich über Tai Chi Chuan weiß

Jiang Changfeng, Heft 9, 30.11.1983

Wie allgemein bekannt ist, sagt man: "Leben ist Bewegung - die Quelle der
Gesundheit ist die Übung." Das Problem ist, eine Sportart für sich
auszuwählen. Dabei sollte man zuerst darauf achten, welchen Nutzen sie für
die Gesundheit von Körper und Geist bietet. Sie sollte sein, wie ein guter
Freund. Man weiß etwas von ihren Besonderheiten und vertraut ihr. Dadurch
entwickeln sich Interesse und Zuneigung. Ich selber liebe das Taijiquan und
habe großen Nutzen aus ihm gezogen. Dieses Jahr bin ich 89 Jahre alt
geworden. Mein Kopf ist mit silbernem Haar bedeckt, aber dennoch ist meine
Gesichtsfarbe ausgezeichnet, meine Schritte sind noch fest und sicher, meine
Taille ist nicht krumm, mein Rücken ist nicht buckelig und ich bin nicht
altersschwach. Ich denke daher, ich kann als ein gutes Beispiel dienen und
möchte nun flüchtig erläutern, was ich über Taijiquan weiß.

1) Taijiquan hat seit alters her eine reiche Kampfkunsttheorie. Sie bezieht
die klassische Philosophie, Aussagen aus der chinesischen Medizin, aus
Sunzis Kunst des Krieges, zur Physiologie, zur Physik usw. ein und betont:
"Das Herz/Bewusstsein (xin) ist ruhig und die Vorstellungskraft (yi)
benutzen", "Man ist ausgerichtet und der Körper ist entspannt." usw. Außen
und Innen wird in den Bewegungen des Körpers vereinigt. Das ist ein Merkmal
des Taijiquan.

2) Taijiquan ist eine alte Technik Chinas zur Gesunderhaltung. Es fasst die
Essenz traditioneller Kampfkünste zusammen. Im Verlauf der Taiji-Übung
werden die Bewegungen bewusst geführt, mit dem wichtigen Prinzip der Taille
als Achsenmitte der Bewegungen. Man macht Drehungen in Bögen und Kreisen und strebt nach: "In der Ruhe findet man Bewegung und in der Bewegung Ruhe."
sowie "Im Runden findet man das Gerade und im Geraden das Runde." Das ist
die jin-Kraft bewegen, wie wenn man Seide zieht. Ununterbrochene sanfte
Bewegungen. Besonders das Wu Taijiquan wird vom weichen Umwandeln bestimmt. Dies alles ist das zweite Merkmal.

3) Taijiquan ist eine innere Kampfkunst. Es betont die Verbindung von außen
und innen, sowie dass sich hart und weich gegenseitig unterstützen.
Weiterhin sind seine Bewegungen langsam, entspannt und weich, entsprechend
den natürlichen Gesetzen der Physiologie. So wird sowohl das Nervensystem
trainiert, die Muskulatur und die Knochen gestärkt und die Gelenke bleiben
beweglich. Weiterhin kann man die Atmung frei regulieren und die Funktion
der inneren Organe verbessern. Die körperliche Kraft erschöpft sich nicht
und es zeigen sich viele positive Effekte. Ein jeder kann es üben und man
kann es überall machen. Es passt nicht nur für junge Leute, sondern ist auch
für ältere geeignet. Dies ist das dritte Merkmal des Taijiquan.

4) Taijiquan hat außerdem noch eine weitere Besonderheit. Es hat sowohl
Tiefe als auch Weite und man zeigt auch Interesse an der inneren Natur
(xing). Es ist eine Lehre ohne Ende - eine Art Kunst. Wenn man die Form übt,
hat man schon die Wirkung einer relativ umfassenden Gesundheitspflege. Wenn
man dann fortgeschritten ist, kann man Grundlage (ti) und Anwendung (yong)
miteinander verknüpfen und das Pushhands erlernen. So kann man seine
Kenntnisse der Kampfkunst vertiefen und seine Fähigkeiten in der
Selbstverteidigung verbessern. Bei starkem Interesse kann man nun das
bewusste Spüren und ein gutes Gleichgewicht trainieren. Daneben ist es auch
spannend und fesselnd, Formen mit Trainingsgeräten wie z.B. Säbel, Lanze und
Schwert zu erlernen. Auf diese Weise wird man eine lange Zeit trainieren und
man kann aus der eigenen Erfahrung lernen. Taijiquan kann wirklich
Willensstärke heranbilden und die charakterliche Entwicklung positiv
beeinflussen.

Das oben Gesagte ist nur das wenige, was ich über Taijiquan weiß. Weil seine
Theorie relativ tief ist, muss man sie sehr intensiv studieren. Auch die
Bewegungen sind kompliziert. Deshalb bin ich der Meinung, dass der Prozess
des Erlernens eine lange Praxis braucht und in dessen Verlauf die Praxis mit
der Theorie verschmolzen werden muss. Nur auf diese Weise kann man es
Schritt für Schritt untersuchen und vertiefen und es Tag für Tag stärker
hervortreten lassen. Man braucht Beharrlichekeit und eine feste Überzeugung.
Man schließt sich mit ihm untrennbar zusammen, vertraut auf die eigene Kraft
und investiert so ununterbrochen in den eigenen Körper. So ist es nicht
schwer, ein langes Leben zu erhalten.

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