Samstag, 31. März 2012

Die gegenseitige Erschaffung von yin und yang vervollständigt Grundlage und Anwendung

von Zhou Huasong

Die Kampfkünste unterteilen sich in innere und äußere Stile. Taijiquan gehört zu den inneren Stilen. Wenn man Taijiquan erlernt, darf man sich nicht von seinen Wurzeln trennen. In erster Linie bedeutet dies, dass man sich nicht vom eigentlichen Ziel abwenden darf:

Es ist eine innere Kampfkunst.

Es nennt sich auch Kampfkunst der inneren Übung, bei der es wichtig ist, das qi zu üben. Dieses qi ist aber nicht das in der äußeren Natur zu findende qi, sondern es ist das Bewusstsein, das angeregt durch die Bewegungen der Kampfkunst durch das Nervensystem strömt. In der Bewegung die Ruhe suchen. In der Ruhe Bewegung besitzen. Der ganze Körper folgt den Bewegungen des Bewusstseins gemäß den physikalischen Gesetzen des Kosmos. Ausgeführt durch die fünf inneren Organe [Herz, Leber, Milz, Lunge und Nieren] und den sechs Hohlorganen [Magen, Galle, Sanjiao, Harnblase, Dickdarm und Dünndarm]. Wenn das Bewusstsein in alle funktionellen Aktivitäten des Körpers reicht, dann läßt dies den ganzen Körper zu einer Einheit werden. Der Blutkreislauf und das Nervensystem bewegen sich wie die Gestirne - ein ewiger Kreislauf. Ist etwas in Bewegung, gibt es nichts, dass sich nicht bewegt. Ruht etwas, gibt es nichts, dass nicht in Ruhe wäre. Im ganzen Körper gibt es die gegenseitige Erschaffung von yin und yang.

Wenn man dem eigentlich Ziel und den Prinzipien des Taijiquan folgt, sie in die Praxis umsetzt und Schritt für Schritt vorgeht, so wird man vom Üben der Grundlage (ti) zum Üben der Anwendung (yong) gelangen. Zur Methode der Grundlage findet man hauptsächlich in den Texten Der Klassiker des Taijiquan und Die Abhandlung zum Taijiquan etwas gesagt. Zur Übung der Anwendung steht etwas in den Mentale Erklärungen zum Ausführen der dreizehn Grundbewegungen, dem Lied der dreizehn Grundbewegungen und dem Lied der schlagenden Hände. Die Methode unseres Taijiquans wird durch die Worte und das Beispiel der Meister vermittelt. Aber man kann auch durch eigenes, fleißiges Lernen, intensives Vertiefen und unermüdliches Üben ganz natürlich durch die Praxis die Richtigkeit der Lehre der Abhandlung und des Klassikers erfahren und man kann sagen, dass man das, was man sich von ganzen Herzen wünscht, in durch die Wirkung des Erlernens der Kampfkunst am eigenen Körper erfahren kann.

Zum Üben der Grundlage:

Im Klassiker heißt es:

"Das taiji ist aus dem wuji geboren. Es ist der Ursprung von Bewegung und Ruhe und die Mutter
von yin und yang."

Dies sagt klar und deutlich, das Taijiquan eine Kampfkunst ist, die dem Wesen nach großen Wert auf die gegenseitige Umwandlung von yin und yang, sowie Ruhe und Bewegung legt. Sie versucht nicht durch Einsatz von roher Kraft in der äußeren Form den anderen zu schlagen, sondern durch die Bewegung des qi im Körperinnern. Wenn man die Form übt, ist, wie schon erläutert, der Verlauf der Bewegungen der Kampfkunst außen, aber besonderen Wert wird auf die Wirkung des qi, ganz gleich ob innen oder außen. Man kann nicht nur einfach auf die äußere Form achten. Vor allen Dingen muss es so, wie es in der Abhandlung heißt, sein:

"Die Wurzel der Bewegung liegt in den Füßen. In den Beinen wird sie erzeugt, durch die Taille (yao) wird sie beherrscht und die Hände und die Finger drücken sie aus. Von den Füßen über die Beine zur Taille - sie muss immer in sich geschlossen und ununterbrochen sein. Durch Vordringen und Zurückweichen erlangt man die günstige Gelegenheit und den strategischen Vorteil (shi). Erlangt man die günstige Gelegenheit und den strategischen Vorteil nicht, wird der Körper unorganisiert und durcheinander sein. Dieser Fehler ist bestimmt in der Taille und den Beinen zu suchen. Ob oben oder unten, vorne oder hinten, links oder rechts, es ist im Allgemeinen so. Dies alles hat mit der Vorstellungskraft (yi) zu tun, nicht mit Äußerem."




Zum Üben der Anwendung:

Taijiquan ist eine Kampfkunst und die Fähigkeit des Kämpfens ist ein untrennbarer Bestandteil. Der Ausdruck dieses Könnens findet sich in den dreizehn Grundbewegungen: peng, lü, ji, an, cai, lie, zhou, kao, Vordringen, Zurückweichen, nach Links schauen, nach rechts schauen, Stabilität. Die sich darunter befindende Stabilität, die auch als stabiles Gleichgewicht (zhongding) bezeichnet wird, ist von höchster Wichtigkeit. Die anderen zwölf Grundbewegungen brauchen alle ein stabiles Gleichgewicht. Danach folgt die Forderung nach dem Wechsel von Leer (xu) und Voll (shi), sowie yin und yang. Im Lied der dreizehn Grundbewegungen heißt es dazu:

"Die dreizehn Grundbewegungen - keine von ihnen ist gering zu schätzen. Man weiß: Die Quelle (der dreizehn Grundbewegungen) ist die Taille (yao). Der gegenseitige Wandel zwischen Leer und Voll muss beachtet werden. Das qi durchdringt den Körper ohne zu stocken. In der Ruhe trifft man auf die Bewegung, so wie man in der Bewegung auf die Ruhe trifft. In Übereinstimmung mit dem Gegner erscheint die Umwandlung phantastisch. Für jede Bewegung gilt: Bewahre sie im Herzen/Bewusstsein (xin) und ziehe ihre Bedeutung in Betracht. Es kommt - ohne dass man es bemerkt - durch Einsatz von viel Zeit und hartem Üben (gongfu)."

Dies erklärt klar und deutlich die Fähigkeit des Kämpfens im Taijiquan und wie man sie durch hartes Training der dreizehn Grundbewegungen erreichen kann.

Ganz gleich, ob man die Grundlage oder die Anwendung übt, vom Anfang bis zum Ende beruht Taijiquan zusammenfassend gesagt, auf dem großen Prinzip von der gegenseitigen Erzeugung von yin und yang, Leer und Voll, sowie Ruhe und Bewegung. Wenn wir Taijiquan erlernen, dürfen wir uns auch von folgenden Prinzip nicht trennen:

"Frage, was sind die regeln von Prinzip und Anwendung?
Vorstellungskraft (yi) und qi als Herrscher - Knochen und
Fleisch als Untertan. Mache dir bewusst, worin letztlich die Absicht
besteht. Das Leben verlängern. Die Jahre ausdehnen. Ewiger Frühling."

Die Vorfahren gaben uns folgende Lehre:

"Es ist zu wünschen, dass die Helden dieser Welt damit ihr Leben verlängern und es nicht nur zur Kampfkunst verwenden."

In der Kampfkunst Taijiquan muss die Technik und die innere Kraft (de) in gleicher Weise beachtet werden. Das bedeutet, dass Taijiquan einfach nur eine edle Ansicht des Ideals der Harmonie ist.

Freitag, 30. März 2012

News: Welt Tai Chi Tag 2012


Am 28. April 2012 ist wieder Welt Tai Chi Tag. In über 70 Ländern gehen die Leute wieder ins Freie und zeigen ihr Tai Chi Chuan.

Mehr dazu: hier

Mittwoch, 28. März 2012

13. Internationales Push Hands Treffen in Hannover

12 Jahre lang trafen sich Tai Chi Push Hands Begeisterte aus der ganzen Welt in Hannover für 9 Tage, um sich auszutauschen und gemeinsam zu üben. Diese Veranstaltung ist ein fester Bestandteil der Tai Chi Szene in Europa geworden. Der Veranstalter, Nils Klug hat das Treffen nun von 9 auf 5 Tage reduziert. Es wird von Mittwoch, den 13. bis Sonntag, den 17. Februar 2013 wieder im Tai Chi Studio und der Kunsthalle stattfinden. Die Anreise ist Dienstag, den 12. Febraur ab 20.00 Uhr möglich. Für 2 Euro die Nacht können die Teilnehmer wieder in der Schule übernachten. Das vollständige Programm wird im Sommer diesen Jahres auf der Website dieses Tai Chi Push Hands Festivals bekannt gegeben.

Artikel: Zehn wichtige Punkte beim Üben des Tai Chi Chuan

Von Ma Hailong, Vorsitzender der Jianquan Taijiquan Association Shanghai
Übersetzt von Dr. Martin Bödicker


Die Lebenskraft (jingshen) ist ein wichtiger Aspekt beim Training des Tai Chi Chuan. Um sie zu fördern, sollte man sich beim Training auf zehn Punkte konzentrieren:

1. Zentriertheit
Das Zentrum ist die Stelle, die beim Strecken und Beugen, beim Öffnen und Schließen unveränderlich bleibt. Beim Üben des Tai Chi Chuan muss man im ganzen Körper die Idee des Zentriert seins bewahren. Hierbei gibt es zwei Aspekte zu beachten.

- Die Körperhaltung
Im Klassiker Das Lied der dreizehn Grundbewegungen heißt es: „Das Steißbein ist zentriert und ausgerichtet und der Geist (shen) reicht bis zum Scheitel.“ Hierbei dient der Rücken als Stütze und man bewahrt so das Zentrum und die Ausgerichtetheit. Nach der Idee von wie am Scheitel aufgehängt wird der Unterkiefer ein wenig nach unten geneigt. So wird die Atmung leicht und fließend und wenn man sie in Bauch und Brust zur vollen Entfaltung bringt, sind das Herz/Bewusstsein (xin) und das qi zentriert und harmonisch.

- Das stabile Gleichgewicht
Das stabile Gleichgewicht wird nicht nur im Stand, sondern auch in der Bewegung, d.h. bei den fünf Schrittarten gewahrt. Ganz gleich, ob man vordringt, zurückweicht, nach links oder rechts schaut, man hat immer ein stabiles Gleichgewicht und macht nicht den Fehler sich zur Seite zu neigen oder vor- bzw. zurückzulehnen.


2. Ausgerichtet sein
Bei jeder Körperhaltung sollte man unbedingt sein Bestes tun, ausgerichtet zu sein. Man sollte vermeiden, schief oder schräg zu stehen. Ganz gleich welche Bewegung, der Schwerpunkt muss immer stabil sein. Man darf sich nicht nach vorne beugen oder nach hinten lehnen. Ist der Schwerpunkt stabil, kann man mühelos und gewandt öffnen und schließen. Ansonsten macht man leicht den Fehler des „Voll (shi) und Leer (xu) sind nicht klar unterschieden“.


3. Festigkeit
Festigkeit ist verbunden mit der Stille ohne Bewegung. Man muss nach einem gefestigtem Geist streben. Im Buch der Großen Lehre (Daxue) heißt es dazu: „Hat man Kenntnis von seinem Ziel, so ist man gefestigt.“ Dies bedeutet, dass man dann gefestigt ist, wenn man erkennt, was es zu erreichen gilt. Ein Ausdruck der Festigkeit ist: „Das Herz/Bewusstsein (xin) und das qi sind klar und harmonisch. Die Lebenskraft durchdringt alles.“ Dies ist eine der Wurzeln des Daoismus. Beim Üben des Tai Chi Chuan muss die Lebenskraft durch Klarheit, Ruhe und Nicht-Handeln (wuwei) gewahrt werden. Sie sollte nicht von der äußeren Welt beeinträchtigt werden. In den Aufgezeichneten Gesprächen des Shen Hui (Shen Hui Yulu) heißt es zur Festigkeit: „Sobald man gefestigt ist, hat man auch Einsicht. Sobald man Einsicht hat, ist man auch gefestigt.“


4. Sanft sein
Sanft sein bedeutet, unbedingt zu vermeiden, sich von Härte leiten zu lassen. Durch Natürlichkeit (ziran) versucht man die Bewegungen gleichmäßig und entspannt zu entfalten, ohne das man das Gefühl von Steifheit und Stockung hat.


5. Ruhe
Ruhe bedeutet, dass man nach hoher Konzentration der Lebenskraft streben soll. Zur Ruhe gibt es in der chinesischen Philosophie sehr viele Erläuterungen. Im Buch der Großen Lehre (Daxue) heißt es: „Hat man Kenntnis von seinem Ziel, so ist man gefestigt. Hat man Festigkeit, so wird man ruhig. Hat man Ruhe, so wird man gelassen.“ Im Daodejing des Laozi heißt es: „Die äußerste Leere (xu) erreichen. Die vollkommene Ruhe bewahren. Die Zehntausend Dinge (wanwu) gedeihen. Ich kann ihre Rückkehr erschauen.“ Im Buddhismus heißt es: „Ist der Geist klar und ruhig, dann kann die Ruhe Einsicht hervorbringen und die Einsicht kann Weisheit erzeugen.“

Die Ruhe ist unter den Gedanken der klassischen chinesischen Philosophie ein hohes Ideal. Ganz gleich welcher Schule man folgt, man muss diese wichtige Stufe erreichen. Beim Üben des Tai Chi Chuan spricht man von drei Idealen der Ruhe:

- Die Ruhe des Körper
Die Ruhe des Körpers ist von großer Bedeutung. Sie führt dazu, dass die Atmung ruhig und tief ist. Das ist auch gemeint, wenn man sagt: „Das qi sinkt in das dantian“. In China unterscheidet man drei verschiedene dantian. Der untere dantian befindet sich im Bereich unterhalb des Nabels. Der mittlere dantian im Brustbereich und der obere dantian zwischen den Augenbrauen. Durch die Ruhe im Körper kann das qi und damit der Atem natürlich (ziran) in das dantian sinken. Diese Idee ist auch in der Vorstellung der Lebenskraft enthalten.

- Die Ruhe des Herzens/Bewusstseins (xin)
Im alten China glaubte man, dass das Herz/Bewusstsein eng mit der Lebenskraft verbunden ist. Die Bewegungen im Tai Chi Chuan sind von Leichtigkeit und Gewandtheit durchdrungen. Dies ist ein Ausdruck der Konzentration der Lebenskraft und ein Resultat der Ruhe des Herzens/Bewusstseins.

- Die Ruhe des Geistes
Die Ruhe des Geistes verweist auf die natürliche (ziran) Entspannung des Körpers. Dies ist die hohe Stufe des Handelns durch Nicht-Handeln (wuwei) und ist keinesfalls einfach zu erreichen. Man muss lange Zeit sehr hart üben und braucht tiefste Einsicht.


6. Leichtigkeit und Gewandtheit
Leichtigkeit ist das Gegenteil von Schwere. Dies ist ein wichtiger Charakterzug der Kampfkunst Tai Chi Chuan. Leichtigkeit kann auch als Weichheit verstanden werden. In den Mentalen Erklärungen zum Ausführen der 13 Grundbewegungen heißt es aber auch: „Äußerste Weichheit führt zu äußerster Härte.“ Weiterhin sind die Bewegungen von Gewandtheit geprägt. Alle Teilbewegungen sind aufeinander abgestimmt. Im Chinesischen kann unter Gewandtheit aber auch Sensibilität verstanden werden. Daher, wenn man leicht und gewandt ist kann man entspannen und sinken. In den Partnerübungen kann man dadurch das Kleben und Haften beherrschen, was wiederum das Folgen und Verbinden, ohne zu verlieren oder dagegenzuhalten, ermöglicht.

Leichtigkeit und Gewandtheit haben aber gleichzeitig auf keinen Fall die Bedeutung von Nachlässigkeit. Man gebraucht auch nicht explosiv ausbrechende Kraft, denn dies könnte zum Fehler der doppelten Schwere führen. Nachlässigkeit und doppelte Schwere sind zwei große Fehler beim Üben des Tai Chi Chuan, die auf jeden Fall vermieden werden müssen. Bei Streckungen, einschließlich den Faust- und Handballenschlägen, sowie den Tritten, bedeutet dies, dass man die Gliedmaßen zwar streckt, aber niemals ganz durchdrückt oder hart macht. So heißt es auch: „Man erscheint locker, ist aber nicht locker. Man ist bereit zur Entfaltung, aber man entfaltet nicht.“


7. Miteinander verbunden sein
Im Tai Chi Chuan sind alle Bewegungen miteinander verbunden. Die Verbindung der Bewegungen muss vollkommen und ohne jeden Fehler sein. Eine wichtiger Punkt dabei ist die Langsamkeit. Die Suche nach Langsamkeit und Verbunden sein ist ein hohes Ziel im Tai Chi Chuan: „Das lange Boxen, es strömt ununterbrochen wie ein langer Fluss und das Meer.“


8. Rund und Lebendigkeit
Bei der Übung des Tai Chi Chuan machen Händen und Beine runde Bewegungen. Bei den Schritten geht man in Kreisbögen. Man soll nicht gerade nach vorne oder zurück gehen. Lebendigkeit hat die Bedeutung von Gewandtheit. Insgesamt sollen hier drei Aspekte besprochen werden:

- Die Bewegungen sollen volle Rundungen haben. Nichts darf hervorstechen, einfallen oder unzusammenhängend sein. Alles muss zu einem harmonischen Ganzen verschmolzen werden.

- Gewandtheit und nicht Stocken sind von großer Bedeutung. Strecken und beugen, öffnen und schließen, vordringen und zurückweichen, auf und nieder schauen geschehen frei und ungehindert.

- Rundheit entwickelt sich um die Taille als Achsenmitte. Die Drehungen werden dadurch gewandt und gewähren so den Armen und Beinen Raum zur Bewegung. Dies ist ganz gleich wie bei der Beziehung eines Rades zu seine Radachse. Diese Beziehung darf nicht gelöst werden, weil sonst die Bewegungen in Unordnung geraten.


9. Gewissenhaftigkeit
Gewissenhaftigkeit hat zwei wichtige Aspekte:

- Der erste Aspekt von Gewissenhaftigkeit ist Ernsthaftigkeit. Man strebt sehr ernst nach wirklichem und tiefen Können. Unter keinen Umständen darf man die Dinge zu leicht nehmen. Ganz gleiche welche Bewegung, alle müssen präzise und ohne Fehler ausgeführt werden. Es wird auch gesagt: „Wenn man sich ganz auf eine Sache konzentriert, dann stärkt man alles.“

- Der zweite Aspekt von Gewissenhaftigkeit ist etwas tief zu ergründen. Ein altes Sprichwort sagt: „Wie geschnitten, wie gefeilt, wie geschnitzt, wie geschliffen.“ Um etwas zu ergründen braucht man Praxis und tiefes Nachdenken. Das dies auch eine Freude ist, erklärt Konfuzius in den Gesprächen: „Zu lernen und das Erlernte bei Zeiten zu wiederholen, ist das nicht auch erfreulich?“


10. Ausdauer
Auch die Ausdauer hat zwei Aspekte:

- Unter Ausdauer ist zuerst die Beharrlichkeit zu verstehen. Ob strenge Kälte oder drückende Hitze, man sollte sein Training nicht unterbrechen. So heißt es auch: „Man übt auch in der heißesten Sommerzeit und in den kältesten Wintertagen.

- In einer zweiten Bedeutung verweist die Ausdauer auf einen bestimmten Trainingsumfang. Aufgrund der eigenen, angeborenen Vorraussetzungen kann man den Grad der eigenen Anstrengungen schrittweise verstärken. Man sollte es aber nicht zu eilig haben und den Trainingsumfang nur schrittweise erweitern. Die Erweiterung drückt sich in dem Zeitumfang und der Menge der Basisarbeit aus. Der Zeitumfang kann z.B. 45 - 60 Minuten betragen. Er sollte eine dauerhafte Basisarbeit beinhalten, denn nur diese ermöglicht ein hohes Können.

Artikel: Deutscher Olympischer Sportbund zu Tai Chi Chuan

Es gibt Sportarten, mit denen landläufig das Thema Entspannung assoziiert wird - und dies nicht etwa, weil man nur bewegungslos auf der Matte herumliegt und keinen Tropfen Schweiß vergießt, sondern, weil sie sehr bewusst mit dem Zusammenspiel von Körper, Geist und Emotionen umgehen. Qi Gong, Tai Chi Chuan oder Yoga trainieren sehr wohl konditionelle Fähigkeiten wie beispielsweise Kraft oder Beweglichkeit, dies aber mit einer bestimmten inneren Haltung. Diese bewusste Haltung ist zum einen der Entspannung im Augenblick förderlich und zum anderen hilfreich, um in seinem Leben eine bessere Balance zwischen Anspannung und Entspannung zu verwirklichen. Die drei vorgestellten Sportarten sind komplex und erfordern ebenso wie andere regelmäßiges Training über einen längeren Zeitraum. Trotzdem gibt es Übungen, die sich problemlos in den Alltag, das eigene Sporttreiben oder in Übungsstunden als Entspannungsteil einbauen lassen.

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Artikel: Die Faustkampfkunst nach Himmlischen Mustern

Neues zur Geschichte des Taijiquan: Die Faustkampfkunst nach Himmlischen Mustern

übersetzt, zusammengefasst und editiert von Dr. Hermann Bohn, nach dem Original von Wong Yuen-Ming: Taijiquan: Heavenly Pattern Boxing, in: Journal of Chinese Martial Studies, Winter 2010, Vol. 2, S. 28 – 37

Für viele ernsthaft an der Geschichte des Taijiquan interessierte Kampfkünstler und Sinologen wa- ren die bisher angestellten Forschungen zur Herkunft und Tradierung des Taijiquan und möglicher Vorläufer nicht besonders befriedigend oder überzeugend. Dies gilt für viele moderne Ansätze, wie etwa auch für die Bestrebungen von Tang Hao 唐豪 (1887-1959) und Xu Zhen 徐震 (1898 – 1967) am Anfang des 20 Jh., denen immer wieder stil-interne Interessen und jeweils eine eigene Agenda nachgesagt werden, aber etwa auch für die jüngsten Vorgehensweisen der KP China mit der Ernennung des Chen-Dorfes Chenjiagou 陳家溝 in Henan 河南 zum Ursprungsort des Taijiquan, was bereits im nahe gelegenen Nachbarort Zhaobaozhen 趙堡鎮 und auch bei anderen Familien dieser Kampfkunsttraditionen zu großer Verärgerung geführt hat.
Nun hat Wong Yuen-Ming aus Hongkong in oben genanntem Magazin einige neue Überle- gungen angestellt, die auf mehreren neuen Belegen aus inoffiziellen Quellen basieren und nicht di- rekt mit der offiziellen Geschichtsschreibung oder mit den heutigen großen Taijiquan-Schulen und -Verbände in Bezug stehen. Seine Argumentationen zur Geschichte und Tradierung des Taijiquan versucht er mit Belegen aus Kreisen und Bereichen außerhalb des breit publizierten Schrifttums und außerhalb der bekannten Stilvarianten der Faustkampfkunst zu untermauern, um diese dann mit alt- bekannten Aussagen zur Kunst in Verbindung zu setzen. Seine selbst unternommenen Anstrengun- gen und Reisen zum Einsehen und Erhalten solcher meist handschriftlichen Quellen sind dabei wirklich als einzigartig zu bezeichnen und gehen über die üblichen Streitereien der Großstile und ihrer Vertreter weit hinaus. Erwähnt werden sollte auch, das Wong mit keiner der gewöhnlich invol- vierten Gruppen in einer Beziehung steht und überwiegend ältere Taijiquan-Varianten praktiziert, die im Westen praktisch unbekannt sind und auch in China/Hongkong kaum an großer Anerkennung durch die Öffentlichkeit interessiert sind.

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Buch von Lin Yutang



Lin Yutang: Die Weisheit des lächelnden Lebens

Mein Gott, was für ein schlechter Titel und was für ein tolles Buch.

Lin Yutang erklärt 1930 dem Westler das chin. Denken - immer mit einem Lächeln. Tolles Buch - sehr tief und trotzdem eine große Freude zu lesen. Ist, glaube ich, nur noch gebraucht zu bekommen, aber kein Problem, ist ein tolles Buch. Und der Titel in Englisch ist auch besser: The Importance of Living.

Also viel Spaß beim Schmökern

Dienstag, 27. März 2012

Großen Wert auf das Erlernen der klassischen Theorie des Taijiquan legen

Von Ma Hailong
Aus dem Magazin der Jianquan Taijiquan Association Shanghai Heft 85-86, 25.2.2001, S. 3

Taijiquan ist ein Teil der traditionellen Kampfkünste unseres Landes und besitzt eine besondere Ausprägung des gongfu. Seine Anziehungskraft liegt in der sehr subtilen Einwirkung auf die Lebenskraft des Menschen, durch die man den höchsten Bereich der Selbstkultivierung und Pflege der inneren Natur erreichen kann. Von der Begründung des Taijiquan bis in die heutige Zeit ergänzen und verbessern es die Meister, vervollkommnen es immer mehr, vollenden seine Form und vergrößern seine Tiefe, ohne das es eine veraltete Kampfkunst wird. Natürlich gehören dazu einzigartige Prinzipien.

Vollkommenes Taijiquan verlangt nicht nur feinstes und unübertroffenes Können, sondern auch eine tiefgründige und durchdachte Aneignung seiner Theorie. So zeigt sich das vollkommene System des Taijiquan. Aber hier hört es nicht auf. Es gibt noch eine Vielzahl von Klassikern zu der Theorie des Taijiquan, wie den "Klassiker des Taijiquan", die "Abhandlung zum Taijiquan", das "Lied der dreizehn Grundbewegungen" uvm. Jeder hat seine eigene Ausprägung und erläutert jeweils eine Seite des wesentlichen des Taijiquan. So erhält man Einblick in die Ansichten der alten Meister.

Ich bin folgender Ansicht: Die Theorie stammt aus der lebenslangen Erfahrung weiser Meister, niedergeschrieben und überliefert ohne hinfällig zu werden. Eine Pflichtlektüre für jeden Schüler des Taijiquan. Es ist zu bedauern, wenn beim Erlernen des Taijiquan kein großer Wert auf die Lektüre dieser klassischen Theorie gelegt wird. Mögliche wesentliche Gründe hierfür sollen im folgenden beschrieben werden:

1) Schwer zu verstehende SpracheViele Menschen habe keine Grundlage in der altchinesischen Sprache. So ist es sehr schwer, das Gelesene zu verstehen. Daher ist dann auch tiefes Forschen und Verstehen unmöglich.

2) Schwer zu verstehende TheorieWenn man nicht die Unterweisung eines klugen Lehrers hat, wird man ein schwieriges Training durchlaufen. Es wird nicht leicht sein, daraus Aufschluss zu erhalten. Hierin liegt auch das Problem, wenn man schnell quantitativen und qualitativen Fortschritt machen möchte.

3) Die heutigen UmständeDie Menschen, die heute Taijiquan üben, sind durch ihre Lebensumstände und der ihnen zur Verfügung stehenden Zeit eingeschränkt. So legen sie vor allen Dingen auf die Praxis wert und übersehen dabei die Grundlage. Beim Üben des Taijiquan durchläuft man eine langfristig angelegte Stufenentwicklung. Wenn man keine vorzüglich Grundlage hat, wird man nicht in der Lage sein, die Gedanken tief zu Gliedern und eine hohe Stufe zu erreichen.

Ich will dazu noch etwas weiteres sagen. Ich denke, wir müssen beim Erlernen und Erforschen mehr Wert auf die Theorie legen, weil es ein wichtiges Verfahren für das Erreichen der Grundlage ist. Früher widmeten die ehrwürdigen Meister, wie z.B. mein Vater Ma Yueliang, mein Mutter Wu Yinghua, sowie meine Onkel Wu Gongyi und Wu Gongzao regelmäßig Zeit zum studieren und erforschen der klassischen Theorie. Sie hatten eine große Sammlung an klassischen Werken und konnten sie größten Teils interpretieren. Ich dagegen wähle aus diesen Werken solche Schriften, die wichtiges einfach darlegen, die jedermann ihren Inhalt erzählen. So kann mit ein paar einfachen Ideen eine fruchtbare Diskussion angeregt werden. Ich hoffe, mein Artikel wird bei allen Interesse für die klassische Theorie wecken.

Das Europäische Portal für Taijiquan und Qigong

Eine klasse Seite mit viel Infos rund um Taijiquan:

Zur Seite: hier

German Taijiquan Open


Die German Taijiquan Open sind die offiziellen Deutschen Meisterschaften im Taijiquan (Tai-Chi-Chuan). Diese finden 2012 erstmalig statt und fügen der wachsenden Turnierszene im Taijiquan ein weiteres Highlight hinzu! Im Ursprungsland in China werden schon seit langer Zeit Wettkämpfe ausgeübt und Taijiquan-Meisterschaften ausgerichtet. Nun rufen mehrere Organisationen in Kooperation mit dem Taijiquan und Qigong Netzwerk Deutschland ein nationales Turnier in Deutschland ins Leben! Die Wettkämpfe werden sowohl im Taiji- Formenbereich als auch im Push Hands (Tui Shou) veranstaltet.

Mehr Info: hier

Tai Chi und Parkinson

Laut einer Studie des Oregon Research Institute in Eugene im US-Staat Oregon vermindert regelmäßiges Tai Chi Training bei Patienten mit Parkinson die Häufigkeit von Stürzen. Die begleitende Tai-Chi-Therapie stellte sich in einer Forschungsarbeit als effektiver heraus, als bislang angenommen und zeigte im Studienverlauf sogar bessere Ergebnisse als die konventionelle Physiotherapie.

Chinesisches Schattenboxen (Taijiquan, kurz Tai Chi) erbringt Parkinson-Betroffenen offenbar einen effektvolleren therapeutischen Nutzen als das physiotherapeutische Krafttraining, wie neuerlich US-Forscher herausfanden. Zwar ist Parkinson unheilbar, allerdings werden Patienten als Begleittherapie Physiotherapie und aktive körperliche Bewegung empfohlen, um das Voranschreiten der Erkrankung hinauszuzögern und den körperlichen Verfall zu verlangsamen. In der vorliegenden Studie des amerikanischen „Oregon Research Institute“ zeigten sich angewandte Tai-Chi-Übungen als besonders wirksam.



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Was ich über Tai Chi Chuan weiß

Jiang Changfeng, Heft 9, 30.11.1983

Wie allgemein bekannt ist, sagt man: "Leben ist Bewegung - die Quelle der
Gesundheit ist die Übung." Das Problem ist, eine Sportart für sich
auszuwählen. Dabei sollte man zuerst darauf achten, welchen Nutzen sie für
die Gesundheit von Körper und Geist bietet. Sie sollte sein, wie ein guter
Freund. Man weiß etwas von ihren Besonderheiten und vertraut ihr. Dadurch
entwickeln sich Interesse und Zuneigung. Ich selber liebe das Taijiquan und
habe großen Nutzen aus ihm gezogen. Dieses Jahr bin ich 89 Jahre alt
geworden. Mein Kopf ist mit silbernem Haar bedeckt, aber dennoch ist meine
Gesichtsfarbe ausgezeichnet, meine Schritte sind noch fest und sicher, meine
Taille ist nicht krumm, mein Rücken ist nicht buckelig und ich bin nicht
altersschwach. Ich denke daher, ich kann als ein gutes Beispiel dienen und
möchte nun flüchtig erläutern, was ich über Taijiquan weiß.

1) Taijiquan hat seit alters her eine reiche Kampfkunsttheorie. Sie bezieht
die klassische Philosophie, Aussagen aus der chinesischen Medizin, aus
Sunzis Kunst des Krieges, zur Physiologie, zur Physik usw. ein und betont:
"Das Herz/Bewusstsein (xin) ist ruhig und die Vorstellungskraft (yi)
benutzen", "Man ist ausgerichtet und der Körper ist entspannt." usw. Außen
und Innen wird in den Bewegungen des Körpers vereinigt. Das ist ein Merkmal
des Taijiquan.

2) Taijiquan ist eine alte Technik Chinas zur Gesunderhaltung. Es fasst die
Essenz traditioneller Kampfkünste zusammen. Im Verlauf der Taiji-Übung
werden die Bewegungen bewusst geführt, mit dem wichtigen Prinzip der Taille
als Achsenmitte der Bewegungen. Man macht Drehungen in Bögen und Kreisen und strebt nach: "In der Ruhe findet man Bewegung und in der Bewegung Ruhe."
sowie "Im Runden findet man das Gerade und im Geraden das Runde." Das ist
die jin-Kraft bewegen, wie wenn man Seide zieht. Ununterbrochene sanfte
Bewegungen. Besonders das Wu Taijiquan wird vom weichen Umwandeln bestimmt. Dies alles ist das zweite Merkmal.

3) Taijiquan ist eine innere Kampfkunst. Es betont die Verbindung von außen
und innen, sowie dass sich hart und weich gegenseitig unterstützen.
Weiterhin sind seine Bewegungen langsam, entspannt und weich, entsprechend
den natürlichen Gesetzen der Physiologie. So wird sowohl das Nervensystem
trainiert, die Muskulatur und die Knochen gestärkt und die Gelenke bleiben
beweglich. Weiterhin kann man die Atmung frei regulieren und die Funktion
der inneren Organe verbessern. Die körperliche Kraft erschöpft sich nicht
und es zeigen sich viele positive Effekte. Ein jeder kann es üben und man
kann es überall machen. Es passt nicht nur für junge Leute, sondern ist auch
für ältere geeignet. Dies ist das dritte Merkmal des Taijiquan.

4) Taijiquan hat außerdem noch eine weitere Besonderheit. Es hat sowohl
Tiefe als auch Weite und man zeigt auch Interesse an der inneren Natur
(xing). Es ist eine Lehre ohne Ende - eine Art Kunst. Wenn man die Form übt,
hat man schon die Wirkung einer relativ umfassenden Gesundheitspflege. Wenn
man dann fortgeschritten ist, kann man Grundlage (ti) und Anwendung (yong)
miteinander verknüpfen und das Pushhands erlernen. So kann man seine
Kenntnisse der Kampfkunst vertiefen und seine Fähigkeiten in der
Selbstverteidigung verbessern. Bei starkem Interesse kann man nun das
bewusste Spüren und ein gutes Gleichgewicht trainieren. Daneben ist es auch
spannend und fesselnd, Formen mit Trainingsgeräten wie z.B. Säbel, Lanze und
Schwert zu erlernen. Auf diese Weise wird man eine lange Zeit trainieren und
man kann aus der eigenen Erfahrung lernen. Taijiquan kann wirklich
Willensstärke heranbilden und die charakterliche Entwicklung positiv
beeinflussen.

Das oben Gesagte ist nur das wenige, was ich über Taijiquan weiß. Weil seine
Theorie relativ tief ist, muss man sie sehr intensiv studieren. Auch die
Bewegungen sind kompliziert. Deshalb bin ich der Meinung, dass der Prozess
des Erlernens eine lange Praxis braucht und in dessen Verlauf die Praxis mit
der Theorie verschmolzen werden muss. Nur auf diese Weise kann man es
Schritt für Schritt untersuchen und vertiefen und es Tag für Tag stärker
hervortreten lassen. Man braucht Beharrlichekeit und eine feste Überzeugung.
Man schließt sich mit ihm untrennbar zusammen, vertraut auf die eigene Kraft
und investiert so ununterbrochen in den eigenen Körper. So ist es nicht
schwer, ein langes Leben zu erhalten.

Gerichtsurteil

Tai Chi und Kung Fu sind keine Kunst

26.03.2012 · Das Sozialgericht in Mainz hat darüber geurteilt, wieviel Kunst in chinesischer Kampfkunst steckt. Ein Trainer hatte gegen seine Rentenversicherung geklagt. Er verlor.

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Tai Chi für Senioren


Langsame Bewegungen - große Wirkung
mit Elk-Marcus Pistorius

Lange beweglich und fit - das wünschen wir uns wohl alle! Eine sehr entspannte Möglichkeit, die Muskeln und den Körper in Bewegung zu halten, ist Tai Chi - das sogenannte Schattenboxen. Das geht in jedem Alter!

Mehr hören und sehen dazu bei SWR4.