Donnerstag, 19. Oktober 2017

Kleiner Gedanke: Zum Pushhands


von Ma Jianglin, Enkel von Wu Jianquan

In der Tradition des Tai Chi Chuan kennt man wirklich sehr viele verschiedene Pushhands-Techniken. Man sollte alle üben, um eine großes Repertoire zu besitzen. In der Übung mit dem Anderen ist es wichtig, dann immer zwischen den Techniken zu wechseln. Dies ist oft ein Problem für die Schüler. Sie beharren auf einer Technik und wollen sie dann durchziehen, ohne auf den Anderen zu reagieren. Die Fähigkeit zum Wechsel zwischen verschiedenen Techniken ist sehr wichtig und basiert auf viel Erfahrung. Das tägliche Üben des Pushhands ist hier der beste Weg.




Foto: Ma Jianglin, Shanghai 1993

Dienstag, 17. Oktober 2017

Frage und Antwort mit Ma Jiangbao

von Martin Bödicker

Ma Jiangbao (Chinesisch: 马江豹; pinyin: Mǎ Jiāngbào; 1941 - 2016) war ein bekannter Lehrer des Wu-Stil Tai Chi Chuan. Er war der dritte Sohn von Wu Yinghua und Ma Yueliang. 1986 kam er mit seinem Vater Ma Yueliang nach Europa um den Wu-Stil zu verbreiten. Ma Yueliang kehrte nach vier Monaten nach China zurück. Ma Jiangbao blieb in Europa und lebte in Rotterdam. Seine Schüler unterrichten in vielen Ländern Europas, wie auch in Südafrika.



(Ma Yueliang, Ma Jiangbao, Wu Yinghua)


Frage und Antwort mit Ma Jiangbao


Frage: Sie sind ein Sohn von Ma Yueliang und Wu Yinghua, der Tochter von Wu Jianquan, dem Begründer des Wu-Stil Tai Chi Chuan. Ich denke, viele von uns Fragen sich, wie es ist, von solchen Eltern zu lernen?

Ma Jiangbao: Meine Familie ist schon seit langer Zeit eine Kampfkunstfamilie. Daher war das Tai Chi Chuan für mich immer da. Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind den Mitgliedern meiner Familie beim vielen Training in unserem Haus zugeschaut habe. Es waren dort nicht nur meine Eltern, sondern auch andere Mitglieder meiner Familie, wie Wu Gongyi. Später machte ich auch mit - wie ein Kind, das einfach spielt. Als ich ca. acht Jahre alt war habe ich dann die Form erlernt. Meine Eltern führten das Training, aber ich trainierte auch viel selber. Mit 16 schloss ich die Waffenformen ab. Training des Pushhands gab es immer. Ich übte mit meinem Vater und meiner Mutter, aber auch viel mit meinen Brüdern. Mit 18 luden mich dann meine Eltern ein, für die Jianquan Taijiquan Association zu unterrichten.

Frage: Man hört immer wieder von ihren vielen Geschwistern. Wie viele Geschwister haben sie?

Ma Jiangbao: Ich habe noch vier Brüder und drei Schwestern. Zusammen sind wir also acht Geschwister. Heute unterrichten Tai Chi Chuan mein älterer Bruder Ma Hailong, Präsident der Jianquan Taijiquan Association, sowie mein jüngerer Bruder Ma Jianglin. Beide wohnen in Shanghai.



(Ma Hailong, Ma Jiangbaos Frau, F. Bödicker, Ma Jiangbao, M. Bödicker)


Frage: Man sagt, der Wu-Stil ähnelt dem alten Yang-Stil sehr. Was ist gleich? Was ist anders?

Ma Jiangbao: Die Wu-Familie hat über drei Generationen von der Yang-Familie gelernt. So waren die Stile sich ursprünglich sehr ähnlich, haben sich aber später auseinander entwickelt. Die Muster der langen Formen sind immer noch vergleichbar. Ich unterrichte heute die Form, wie sie Wu Jianquan standardisiert hat. Unsere Tradition ist auch reich an Pushhands-Techniken. Es gibt unterschiede zum Yang-Stil, z.B. stehen wir in einigen Stellungen nach vorne gestreckt und wir halten die Füße parallel.



(Wu Jianquan)


Frage: Können sie dies näher erläutern?

Ma Jiangbao: Nach vorne gestreckt bedeutet, dass der Körper vom Scheitel bis zur Ferse eine Linie bildet. Diese Stellung passt zu den parallelen Füßen und eignet sich gut, Kraft abzugeben. Man hat eine ungebrochene Linie von der Ferse bis zu den Schultern und alle Teile des Körpers zeigen in die Richtung, in der man Kraft abgeben will.

Frage: Es sieht so aus, als wenn die Interaktion von Taille und Hüfte sich von anderen Stilen unterscheidet. Können sie uns das erklären?

Ma Jiangbao: Das ist mit der letzten Frage verbunden. Im Wu-Stil stehen die Füße oft parallel zueinander. Dreht man aus dieser Stellung heraus die Hüfte, wird man seinen Schwerpunkt verlieren. Daher verdrehen wir den Körper um die Taille. So kann man auch einen Angriff leicht ablenken und ihn in die Leere fallen lassen, ohne seinen Schwerpunkt zu verlieren.

Frage: Im Wu-Stil wird innerhalb einer Bewegung die Reihenfolge Hand-Taille-Fuß unterrichtet. Dies scheint im Widerspruch zu anderen Stilen zu stehen. Können sie etwas über die Mechanik sagen?

Ma Jiangbao: Ja, im Wu-Stil unterrichten wir die Reihenfolge Hand-Taille-Fuß, aber die Bewegung endet zusammen. Das ist der beste Weg, Kraft abzugeben und letztlich wird die Bewegung ein Ganzes. Aber bewegt sich z.B. der Oberkörper zuerst, dann kann der Gegner dies leicht erkennen. Er wird mit Leichtigkeit die Bewegung (z.B. eine Handbewegung) neutralisieren können, die nach der Bewegung des Oberkörpers kommt.



(Foto: Manos Meisen)


Frage: Im Wu-Stil gibt es viele verschiedene Formen. In welcher Reihenfolge sollten sie gelernt werden?

Ma Jiangbao: Man beginnt immer mit der langsamen Form. Sie bildet die Grundlage des Tai Chi Chuan. Danach kommt die Säbelform und dann die Lanzenform. Wenn man dies erfolgreich abgeschlossen hat, kann man mit der schnellen Form oder der Schwertform fortfahren.

Frage: Gibt es einen Grund für diese Reihenfolge?

Ma Jiangbao: Da ist einmal die grundlegende Idee des Tai Chi Chuan Ruhe in der Bewegung zu finden. Dafür ist die langsame Form das ideale Mittel. Des weiteren gibt einem die langsame Form Gelegenheit, sich gründlich mit seinen eigenen Bewegungen auseinanderzusetzen. Grundlegende Fähigkeiten werden erlernt und Fehlhaltungen werden korrigiert. Dies ist auch die Grundlage für eine sportlichere Ausführung des Tai Chi Chuan, wie z.B. in den Waffenformen. Die Waffenformen sind körperlich Anspruchsvoll, da die Waffe selbst ein Gewicht hat und die Formen schneller ausgeführt werden. Daher ist eine gründliche Vorbereitung notwendig. Die schnelle Form stellt sehr hohe Ansprüche an die Fähigkeiten des Schülers. Durch starken Krafteinsatz und hohe Schnelligkeit können auch kleine Fehler zu unangenehmen Folgen führen. Vor dem Erlernen der schnellen Form sollte man sich daher sehr intensiv mit der langsamen Form und den Waffenformen auseinandergesetzt haben.

Frage: In welchem zeitlichen Rahmen ist es sinnvoll die Formen zu lernen?

Ma Jiangbao: Wenn man sich sehr anstrengt, kann man eine Form in einem Jahr erlernen. Dazu muss man aber auch intensiv zu Hause üben. Nach einem Jahr des Erlernens kommt ein Jahr des Übens und des Korrigierens. Erst dann sollte man mit einer neuen Form beginnen. Übt ein Schüler nicht so intensiv, ist der Fortschritt natürlich langsamer.

Frage: Kann man auch zwei Formen gleichzeitig lernen?

Ma Jiangbao: Davon ist abzuraten. Viele Schüler gehen nur einmal die Woche zum Kurs. Da ist es kaum möglich zwei Formen gleichzeitig zu lernen. Auch bei Schülern die mehrmals die Woche kommen habe ich oft beobachtet, dass immer eine Form darunter leidet, dass man eine weitere Form lernt. Das ist nicht gut. Bevor man eine neue Form lernt, sollte die alte Form sicher beherrscht werden. Das heißt nicht nur in der Reihenfolge, sondern auch in den Feinheiten der Bewegungsführung.

Frage: Gibt es einen didaktischen Aufbau beim Lernen der Formen?

Ma Jiangbao: Ja, zuerst geht es darum, die einzelnen Stellungen der Form zu erlernen. Wenn diese beherrscht werden, lernt man, wie man die Stellungen durch Bewegungen verknüpft. Dabei kommt es sowohl auf die Bewegungs- führung im Raum, als auch auf das Timing an. Wenn Stellungen und Bewegungen sicher ausgeführt werden können, müssen sie so mit einander verknüpft werden, dass ein langsamer, ruhiger Fluss entsteht.




Frage: Es sind also drei Stufen des Lernens. Gibt es einen Tipp für das Training zu Hause?

Ma Jiangbao: Man sollte zu Hause nicht immer nur die ganze Form laufen. Man sollte auch regelmäßig Stellungen und Bewegungen einzeln üben und sich so die Feinheiten vergegenwärtigen.

Frage: Soll man lange in einer Stellung stehen?

Ma Jiangbao: Lange in einer Stellung stehen ist generell nicht falsch. Es kann aber leicht zu Problemen führen, wenn man bekannte oder unbekannte orthopädische Probleme hat. Daher rate ich, besonders wenn man etwas älter ist, es nicht zu machen, oder es nicht zu viel zu machen und wenn, dann nur unter guter Anleitung.

Frage: Wie sie so eben bemerkt haben, gibt es neben der am besten bekannten langsamen Form im Wu-Stil auch eine schnelle Form. Können Sie uns etwas dazu sagen? Wie ergänzen sich langsame und schnelle Form?

Ma Jiangbao: In alten Zeiten gab es nur Formen, die auch schnelle Elemente enthielten. Ab ca. 1920 begannen die Tai Chi-Meister in der Öffentlichkeit zu unterrichten. Viele Menschen, die zu dieser Zeit mit dem Tai Chi Chuan begannen, waren Kampfkünste nicht gewöhnt. So haben die Tai Chi-Meister komplett langsame Formen entwickelt, um diese Menschen in die Kampfkunst einzuführen. Diese langsamen Formen wurden sehr populär und heute sind fast alle Tai Chi-Formen langsam. Im Wu-Stil habe wir die schnelle Form erhalten. Die langsame Form wurde aus der schnellen Form entwickelt. Das bedeutet, dass z.B. wenn an einer bestimmten Stelle in der schnellen Form die Wolkenhände kommen, dann macht man sie in der langsamen Form auch an dieser Stelle. Aber obwohl das Muster der schnellen und der langsamen Form gleich ist, sind die Bewegungen unterschiedlich. Die langsame Form ist nicht die schnelle Form einfach langsam ausgeführt. Es werden z.B. Sprünge und starke Verdrillungen des Körpers ausgelassen oder in einer sanfteren Form ausgeführt.

Frage: Wenn man mit mehreren Tai Chi-Lehrern gelernt hat, wie schreibt man seinen Tai Chi-Lebenslauf?

Ma Jiangbao: Heute lernen viele Schüler zuerst mit einem Lehrer in der Nähe ihres Wohnsitzes. Später kommen sie zu einem meiner Top-Schüler oder zu mir, um sich weiter zu verbessern. Wenn ein Schüler seinen Tai Chi-Lebenslauf aufschreiben möchte, sollte er natürlich alle Lehrer erwähnen, die wichtig für seine Entwicklung wahren.

Frage: Es gibt mittlerweile mehrere Organisationen, die ihren Wu-Stil in Europa vertreten. Gibt es auch einen zentralen Verein?

Ma Jiangbao: Ja, die Jianquan Taijiquan Association (鑑泉太極拳社) in Shanghai mit ihrer Zweigstelle Jianquan Taijiquan Association Netherlands. Alle meine inneren Schüler (Tudi) sind hier Mitglied. Die weiteren Organisationen meiner Schüler in Europa stehen gleichberechtigt nebeneinander. Es gibt kein "muss" zu einer Mitgliedschaft. Ist man aber interessiert, kann man sich an seinem Lehrer orientieren und bei Bedarf einer von ihm empfohlenen Organisation beitreten.




Frage: Wie wird Pushhands im Wu-Stil unterrichtet und perfektioniert?

Ma Jiangbao: Zuerst muss man einen guten Lehrer finden. Das ist eines der Hauptprobleme. Dann muss man gute Partner finden, die zu einem passen. Am Anfang ist es gut, nur mit wenigen Partnern zu üben. So lernt man sich schnell kennen und kann neue Techniken leicht üben. Während dieser Zeit sollte man einen Schwerpunkt auf die Fähigkeit des Fühlens (tingjin) legen. Übt man so, dann wird man ganz natürlich die Fähigkeit des Verstehens (dongjin) entwickeln. Hat man einen bestimmtes Niveau erreicht, muss man nach so vielen Partnern wie möglich Ausschau halten. Das wird die technischen Fähigkeiten, sowie das tingjin und das dongjin sehr vertiefen.

Frage: Im Wu-Stil gibt es im Pushhands Ein-Personen-Übungen. Was sind die Unterschiede zwischen diesen Übungen und der Form?

Ma Jiangbao: Die Ein-Personen-Übungen des Pushhands gleichen den Zwei-Personen-Übungen. Man macht sie nur alleine. Auf diese Weise kann man sich ganz auf sich selbst und die Genauigkeit der Ausführung konzentrieren. Nach einer Weile wird man die Übungen sicher beherrschen. Dann kann man sie mit einem Partner machen. Weil die Bewegungen korrekt sind, kann man sich nun ganz darauf konzentrieren, sie an den anderen anzupassen.

Frage: Wie sollen Anfänger und Fortgeschrittene im Pushhands zusammen üben?

Ma Jiangbao: Beim Pushhands-Unterricht zeigt der Lehrer eine Technik. Die Schüler sollten dann diese Technik intensiv üben. Ein fortgeschrittener Schüler kann dem Anfänger dabei ein paar Hinweise geben, damit er sich verbessern kann. Er sollte ihn aber auf keinen Fall dauernd korrigieren, denn dann kann sich der Anfänger nicht auf seine eigenen Bewegungen konzentrieren und wird keinen Fortschritt machen. Vielmehr sollte auch der Fortgeschrittene an seiner eigenen Technik arbeiten. Das Üben mit eine Anfänger gibt einem die Möglichkeit, seine eigene Fähigkeiten zu vertiefen.

Frage: Warum hebt man in Xubu die Fußspitze?

Ma Jiangbao: Es gibt zwei Gründe. Erstens wird so der Schwerpunkt ganz zurückverlagert. Zweitens stärkt dies die Muskeln auf der Vorderseite des Beines. Im Pushhands hält man zumeist die Fußspitze unten. Der Schüler sollte nun seinen Schwerpunkt kontrollieren können und eine angehoben Fußspitze könnte für den Partner gefährlich sein. Nach einer guten Technik könnte er über den Fuß fallen.



(Foto: Manos Meisen)


Frage: Und nun zu den Waffenformen. Warum soll man in der heutigen Zeit noch Waffenformen üben

Ma Jiangbao: Nicht alle Freunde des Tai Chi Chuan üben Waffenformen. Das muss auch nicht sein, aber ist gibt doch drei gute Gründe, es zu tun.

1. Tai Chi Chuan ist ein alte Kampfkunst. Zu den Kampfkünsten in China gehörten schon immer die Waffenformen. Tai Chi Chuan als Teil dieser Tradition bietet dem Schüler also auch verschiedene Waffenformen. Wenn man daran interessiert ist, der Tradition zu folgen und ein vollständiges System zu erlernen, sind Waffenformen ein wichtiger Bestandteil der Kampfkunst.

2. Die Waffenformen im Tai Chi Chuan werden dynamisch geübt, d.h. es gibt den Wechsel zwischen langsam und schnell, sowie zwischen hart und weich. Dies fördert eine sportliche Entwicklung des Schülers und stellt hohe Ansprüche an die Körperbeherrschung. Somit sind die Waffenformen eine ideale Ergänzung der langsamen Form.

3. Die sportliche Aktivität, sowie die intensivere Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper verstärkt den gesundheitlichen Effekt des Tai Chi Chuan. Da man die Waffenformen ja auch alleine und nicht gegen den Anderen übt, kann man die Belastung in idealer Weise an die eigene Konstitution anpassen.

Frage: In welcher Geschwindigkeit werden die schnelle Form und die Waffenformen geübt?

Ma Jiangbao: Diese Frage ist sehr wichtig. Die schnelle Form und die Waffenformen haben einen speziellen Rhythmus. Man findet hier:

Hart und weich unterstützen einander.
Schnell und langsam sind in Harmonie.

Es ist sehr wichtig, diese Aspekte beim Lernen gleich von Anfang an zu üben. Als Anfänger kann man die Bewegungen etwas langsamer machen, aber der Rhythmus muss erhalten bleiben. Es gibt keinen Fall, in dem die Formen langsam und gleichmäßig wie die langsame Form geübt werden.

Frage: Gibt es bei den Wu-Stil Schwertformen (wie z.B. die Doppelschwertform), die nur für Frauen entwickelt wurden?

Ma Jiangbao: Nein, die Schwertformen sind für Frauen und Männer. Aber Frauen sind von den Schwertformen oft sehr begeistert und sie üben sie daher manchmal intensiver. Das ist auch der Grund, warum sie bei Vorführungen oft von Frauen gezeigt werden.



(Wu Yinghua)


Frage: Wie atmet man im Wu-Stil?

Ma Jiangbao: Die richtige Atmung ist sehr wichtig. Der Hauptaspekt bei der Atmung ist die Natürlichkeit (ziran). Wenn man die Form läuft, sollte man ganz normal atmen. Man darf die Atmung nicht künstlich an die Bewegungen koppeln. Das ist der falsche Weg. Es ist genau anders herum. Sind die Bewegungen leicht und ohne Unterbrechungen, dann wird die Atmung ganz natürlich tief und langsam. Aber ist die Körperhaltung schlecht, z.B. die Ellenbogen oder die Schultern sind angehoben, dann wird dies einen schlechten Einfluss auf die Atmung haben. Wenn man über die richtige Haltung spricht, dann muss man folgende Punkte betonen: Aufrechter Kopf und leerer Nacken, entspannte Schulter, hängende Ellenbogen, gerader Rücken und lockere Taille. Wenn man sich auf die richtige Haltung, auf Lockerheit und Weichheit konzentriert, dann wird die Atmung ganz natürlich tief und harmonisch. Man fühlt sich dann nach dem Laufen der Form entspannt und erfrischt.

Frage: Warum gibt es beim Laufen der Form im Wu-Stil keine Kampfschreie?

Ma Jiangbao: Ein zentraler Punkt beim Üben der Form ist die Entwicklung von Natürlichkeit (ziran) in der Atmung. Man will eine natürlich tiefe Atmung (ohne willentliche Beeinflussung) bei korrekter Körperhaltung entwickeln. Kampfschreie sind kein Teil des Übens der Formen. Übt man die schnelleren Formen intensiver oder kleine Übungen mit harten Angriffen, so wird die Atmung ganz natürlich stärker. Aufgrund der Stärke der Bewegungen entsteht ein Geräusch wie "ha". Dies stimmt voll und ganz mit der Natürlichkeit überein, aber man darf dabei den Körper nicht künstlich hart machen, um den Effekt zu verstärken.



(Ma Jianglin und Freya Bödicker)


Foto: Freya und Martin Bödicker


Mit dem Säbel vor dem Tor -
das Fenster öffnen und den Mond ansehen.

Die Lanze in den Schritt drücken und auf den Kopf schlagen,
und der Tiger peitscht mit dem Schwanz.

Die fantastische Kunst des Tai Chi
kennt nicht nur die Faust.


Samstag, 14. Oktober 2017

Foto: Die Nadel auf dem Poolgrund


Tag, Wasser, Sonne, Nacht -
all diese Dinge brauche ich nicht mit Geld zu kaufen.

Titus Maccius Plautus




mit Robert Rudniak